Willkommen bei der heurigen Hekatombaion/Metageitnion-Ausgabe (0829) des hellenistischen Newsletters.

Wir haben übrigens auch auf unserem Forum extra Platz eingeräumt, damit Leser dort ihre Anregungen, Wünsche und sonstigen Hinweise bezüglich des Newsletters unterbringen können.
Das Archiv der bisherigen Artikel findet ihr hier um vergangene Themen nach zu schlagen (z.B. wenn ihr durch eine Google-Suche auf diese Seite gelangt seid, aber die gesuchten Stichwörte nicht finden könnt).

Alle jenen, die Probleme mit der Darstellung haben sollten, bin ich auch gerne bereit den aktuellen Newsletter in Form eines .txt-Files zu senden. Meldet euch einfach via E-Mail bei der Redaktion!

Inhaltsübersicht

1. Neuplatonismus als Religion
2. Chancen und Grenzen von Religionsfreiheit und -kritik (Teil 4)
3. Feature: Kronos
4. Kinderbücher: Mythen
5. Zwölf Götter: Ein Altar – Eine runde Sachen
6. So war’s: Stammtisch, oder was? (Juni 2008)
7. Aus dem Kalender
8. Stammtisch Alter Religionen und Philosophien
9. Impressum

Und nun wünsche ich viel Spass bei der Lektüre des Newsletters!

! Information für alle Besucher, die mittels Suchmaschine o.ä. zu diesem Newsletter gekommen sind !
Der "Newsletter einer hellenistischen Familie" ist eingebettet in die Homepage KHAIRE, welche Informationen über den Hellenismos in Österreich anbietet. Auf den Seiten der Homepage können daher noch weitere Artikel und Besprechungen zu hellenistischen Themen bzw. zu allgemeineren Themen aus hellenistischer Sichtweise gelesen werden. Startseite öffnen!

 

Neuplatonismus als Religion
von Ewald K Strohmar (Akesios)

Wenn man sich näher mit dem geistig-spirituellen Umfeld in der Spätantike, das letztlich dazu geführt hat, dass der Neuplatonismus zur umfassendsten geistigen Strömung jener Zeit geworden ist, beschäftigt, stellt man bald fest, dass es gewisse Ähnlichkeit mit den heutigen Gegebenheiten in Mitteleuropa aufweist.

Damals wie heute gab es eine "Staatsreligion", die für die meisten Menschen unbefriedigend geworden war. Ich möchte hier "das Christentum" als unsere heutige Staatsreligion bezeichnen, obwohl es weder die einzige Religion ist, noch eigentlich als abgeschlossene Einheit aufgefasst werden kann (nicht nur wegen der verschiedenen "offiziellen" Richtungen, sondern auch durch die vielen, teilweise sogar aus anderen spirituellen Bewegungen entnommenen, Entwicklungen innerhalb dieser Richtungen), und auch ungeachtet der Tatsache, dass in den meisten europäischen Ländern Religion und Staat offiziell getrennt sind, denn in Wirklichkeit ist dies eben nicht so (und manche Politiker berufen sich auch gerne auf die "christlichen Wurzeln" unserer Kultur). Doch genau so sah es "damals" in der Spätantike aus: die römische "Staatsreligion" war durch so viele Einflüsse verwässert worden, durch so viele importierte Kulte und Mysterien bis zur Unkenntlichkeit verändert worden, dass die wenigsten Menschen wirklich noch etwas mit ihr anzufangen wussten: man opferte den Staatsgöttern, weil es so Brauch war, aber mehr auch schon nicht. Die New Age - Esoterik dringt in also die Domänen der Religion ein - heute wie damals, "heilige Wunder-Gurus" ziehen ihre Anhänger an sich, Mysterienkulte übertreffen sich mit ihren soter-iologischen Versprechungen (damals Isis- und Mithras-Kulte, heute Wicca u.ä.) und ziehen die Menschen von den traditionellen Formen religiöser Verehrung ab.

In der Spätantike versuchten die "Platoniker", also Philosophen, die sich zu den Lehren Platons bekannten und diese weiterentwickelten (der Begriff "Neuplatonismus" kam ja erst später auf), in diesem multireligiösen Umfeld eine Harmonisierung zwisch-en Religion und Philosophie zu entwickeln. Sicher, man betrachtete die beiden Bereiche nicht grundsätzlich als einander widersprechend, wie dies heute leider der Fall ist (seit Philosophie eher zum atheistisch-humanistischen Bereich zugehörig be-griffen wird, und Religionsphilosophen meist im kirchlichen Umfeld zu finden sind). Fast alle antiken Philosophen glaubten an ihre Götter, wie jeder Andere auch, wenn sich auch meist ihre Betracht-ungsweise des Göttlichen stark vom eher einfach gestrickten, mythologisch beeinflussten Götterbild des "Volksglaubens" unterschied. Dies gilt natürlich ganz besonders für die Nachfolger des Platon, denn wo sich andere Philosophen oft wenig um die Betrachtungen des Göttlichen bemüht hatten und viel mehr die Natur oder den Menschen im Blickpunkt hatten, befasste sich Platon nicht nur mit diesen Themen, sondern auch und besonders mit der Seele und mit den Göttern im Sinne seinen Ideen von einer kosmischen Ordnung. Durch seine Schüler entwickelten sich (in mehreren Schulen in der griechisch-römischen Welt) das wichtigste und umfassendste philosophische System der Spät-antike.

Doch die Frage, die der Titel dieses Artikels suggeriert, habe ich noch nicht angesprochen: ist der Neuplatonismus nicht letztlich eine Art von neuer Religion?

Denn es ist nicht zu leugnen, dass es sich nicht mehr nur um "Weisheitsfreunde" handelte, die sich theo-retisch mit Naturgesetzen oder dem Staatswesen beschäftigten, sondern durchaus auch mit meta-physischen Themen, wie sie von den orientalischen Kulten "importiert" worden waren, behandelten. Und diese Bereiche, Götter, Seele(nwanderung), Ursprung und Sinn der Welt und des Lebens, sind ja eigentlich, zumindest wie wir es heute sehen, Domäne der Religionen. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die frühen "Kirchenväter" wie Augustinus viele neuplatonische Ideen in ihre Interpretation des Christentums aufgenommen haben.

Da es keine klare Definition von Religion gibt, die man Punkt für Punkt abhaken kann, werde ich mich darauf beschränken, eine allgemeine Vorstellung

von Religion als gegeben vorauszusetzen, und die Behandlung der oben genannten Fragen zu Kosmos, Göttern und Menschen als Schwerpunkte religiösen Denkens als Kriterium heranziehen. Ich möchte hier auch nicht näher auf konkrete Lehrmeinungen der Neuplatoniker eingehen, um den Rahmen dieses Artikels nicht zu sprengen (hier sei angemerkt, dass das Werk des Saloustios "Über die Götter und den Kosmos" eine gute und einfache Zusammenfassung der neuplatonischen Lehren bietet), jedoch sollen einige Besonderheiten, auch im Vergleich mit modernen Strömungen, exemplarisch heraus gestellt werden.

Augenscheinlich ist im Neuplatonismus zum Beispiel in den Bemühungen nach einer Synthese von Religion und Philosophie die Suche nach dem Spirituellen, es geht die theoretische Beschäftigung, also der Einsatz der Vernunft, oft mit einem religiösen Erlebnis Hand in Hand. So wird etwa über Plotinos berichtet, dass bei seinen Vorträgen sein Gesicht leuchtete, er wirkte entrückt, nicht von dieser Welt, so sehr näherte er sich in seiner Tätigkeit dem Göttlichen, über das er lehrte, an. (Ich persönlich kann Ähnliches von einigen wenigen charismatischen katholischen Priestern berichten, die sich stark in Organisationen engagierten, welche sich weit weg vom kirchlichen Mainstream befanden und eben aus der Kraft ihrer spirituellen Erfahrungen und nicht aus der offiziellen Theologie lebten.)

Es scheint also gerade diese Ergänzung der "trockenen Theorie" durch persönliche meta-physische Erfahrung zu sein, was die Stärke der großen Neuplatoniker ausmacht - und letztlich auch ihre Anziehungskraft auf die unzähligen Menschen, die ihren Vorträgen lauschten, manche sogar ihr bisheriges Leben (z.B. als Senator) aufgaben, um als Schüler beim Meister zu leben (übrigens auch viele Frauen, und einige, wie etwa Hypatia, lehrten auch selbst). Natürlich, dies erinnert stark an indische Guru-Bewegungen (Tatsache ist, dass die "nackten Weisen", die Brahmanen Indiens, auch den Griechen nicht unbekannt waren, Plotin schloss sich sogar einem Feldzug an, um dorthin reisen und sie besuchen zu können, was ihm aber leider nicht gelang), und auch die Lehren der Neuplatoniker machen manchmal, oberflächlich betrachtet oder aus dem Zusammenhang zitiert, den Eindruck einer obskuren, weltfremden "Sekte" (wir wurden ja auch in den Achtzigern im Religionsunterricht darauf trainiert, "Sektengefahren" aus 300km Entfernung zu wittern). Doch wenn man den Lehren auf den Grund geht, kristallisiert sich eine harmonische, ganz-heitliche (und dadurch sogar modern anmutende) Weltsicht heraus, die weder die stur-frömmlerischen Züge verknöcherter Religionen, noch die essenz-losen pseudognostischen Hilfskonstruktionen der (antiken und modernen) Mysterienkulte, noch das hilflos-unproduktive Herumirren zwischen unaus-gegorenen theoretischen Konzepten moderner religionsloser Systeme aufweist.

Denn es sind keine weltabgewandten Asketen, die sich kasteien, um den Körper abzutöten (wie dies manch andere damalige Glaubensrichtung vielleicht praktiziert oder zumindest gepredigt hat), nein, diese Neuplatoniker sahen Körper und Seele durchaus als Einheit an, ohne Trennung in einen "guten" und einen "bösen" Teil des Menschen. Sie hatten auch keine Erlösungsvorstellungen (denn es gibt nichts zu erlösen), wohl aber eine Vorstellung davon, wie man sich (in diesem Leben) dem Göttlichen annähern kann, denn das ist als letztendliches Ziel dieses Lebens zu sehen. So geht es um das Schöne, das Gute, das Göttliche in dir und um dich herum. Und im Gegensatz zu anderen Religionen, die irgendein Übel in der Welt festgestellt haben und die Lösung dafür anbieten, beschäftigen sich die Neuplatoniker einfach nur philosophisch (d.h. mit den Kräften der Vernunft) mit der Welt, suchen in altbewährter Art nach der Wahrheit, und die Regeln für das praktische Leben ergeben sich wie von selbst, denn schon die Lehren Platons nehmen als Instrumente zur Einswerdung mit dem Göttlichen nichts anderes her als die altbewährten hellenischen "Tugenden", wie etwa die Selbstbeherrschung, die Ehrlichkeit oder die Tapferkeit. Spektakulär oder neu ist dies freilich nicht, doch vielleicht wären es gerade diese Elemente, die aus dem Neu-platonismus eine Religion für heute machen könnten, für Menschen, die gerne vernünftig sind und sich nichts aus elitaristischen Geheimlehren machen.

>> zurück zum Anfang <<

 

Chancen und Grenzen von Religionsfreiheit und -kritik (Teil 4)
von Sandra Mauler (Sassa)

In den vorangegangenen drei Teilen dieses Artikel-zyklus beleuchtete Akesios vor allem das Buch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ beziehungsweise die dazugehörige Verteidigungs-schrift in Hinblick auf Fragen der Religionsfreiheit und –kritik. Im Folgenden möchte ich noch einige weitere Punkte, unabhängig von diesem Buch, ansprechen, welche mir persönlich zu dieser Thematik wichtig sind.

Zuerst einmal geht es um das Thema der Religionsfreiheit. Akesios hat bereits hinreichend erläutert, dass dieser Begriff schwer fassbar ist, weil alleine für Religion keine eindeutige Definition zur Verfügung steht. Dieses Problem überträgt sich natürlich im selben Ausmaß auf den Begriff der „Religionsfreiheit“, wobei noch ein weiteres Missverständnis damit zusammen hängt. Freiheit kann hier nämlich einerseits als ein „sich frei machen“ von den Fesseln der Religion, eine Überwindung derselben darstellen, oder aber auch die Wahlfreiheit zwischen den Religionen be-zeichnen. Darüber hinaus wird es häufig auch einfach als eine Freiheit zur Religion, also einer weitestgehend unbeschränkten Glaubensausübung verstanden. Somit prallen hier völlig unterschiedliche Vorstellungen in einem Begriff aufeinander. Tat-sächlich können alle drei Bedeutungsnuancen zutreffen, denn im Wesentlichen bedeuten die Freiheiten des Einzelnen, jedes Einzelnen, nach der UN-Charta zu allererst, dass alle Menschen grundsätzlich gleich sind und damit vor allen Dingen gleichermaßen vernunftbegabt und befähigt sich eine eigene Meinung zu bilden und Entscheidungen das eigene Leben betreffend zu fällen. In weiterer Folge ist davon auszugehen, dass jeder Mensch unab-hängig von seiner Herkunft selbst fähig ist, zu entscheiden welchen Stellenwert Religion bzw. welche spezifische Religion in seinem Leben einnimmt. Er kann sich grundsätzlich aus freien Stücken von Religion befreien oder eine bestimmte als seine eigene wählen. Darüber hinaus soll es ihm zugebilligt werden, diesen seinen selbst gewählten Glauben ungehindert auszuüben, solange er damit nicht gegen geltendes Recht (z.B. Strafrecht) verstößt. Religionsfreiheit kann somit nur gelingen, wenn die Gleichheit der Menschen verinnerlicht wird, denn wer annimmt, dass der Gegenüber ein Rindvieh ist, welcher gar insgeheim als minderwertig betrachtet wird, dem wird es schwer fallen, diesem die freie Entscheidung von oder zur Religion zuzubilligen. Schon entsteht die Idee von irre-geleiteten Vorstellungen und „falschen“ Religionen.

Die Religionskritik selbst ist eigentlich schon wesentlich älter, als der Begriff der Religionsfreiheit. Zumindest gibt es Kritiker an der Religion bzw. an einzelnen Bestandteilen und Ausprägungen ver-mutlich fast schon so lange wie es Religion selbst gibt. Ihre genauen Anfänge zu finden, stellt sich also als überaus schwierig dar. Der Ursprung von Kritik, liegt wie so oft im Griechischen um genau zu sein bei kritike, was sich von krinein ableitet und so viel heißt wie das „Auseinanderhalten von Fakten“. (basierend auf Wikipedia). Kritik ist grundsätzlich zweigesichtig und kann sowohl positiv in Form von Lob oder negativ als Tadel ausfallen. Anstelle von Tadel ist häufig die so genannte „konstruktive Kritik“ gefragt, welche darauf abzielt eine Verbesserung zu erreichen statt Missstände nur anzukreiden. Der Begriff der Kritik wird aber umgangssprachlich vor allem mit deren negativen Ausprägungen assoziiert.
Zuallererst ist Kritik aber eine Chance Dinge zu erkennen, die man aufgrund verschiedener Ur-sachen zuvor einfach nicht (mehr) wahrnehmen konnte oder vielleicht auch wollte. Dadurch kann sie ein wertvolles Mittel zur Kurskontrolle sein, auch und vielleicht ganz besonders in Fragen der Religion.

Religionskritik, die von innen kommt, also von den eigenen Gläubigen, gehört meines Erachtens zu den wichtigsten Faktoren, welche eine Religion lebendig und anpassungsfähig aber auch authentisch und sich selbst treu erhalten können. Sie ist die kontinuierliche Überprüfung des Glaubens, ein Abtasten gewachsener Traditionen und Macht-ansprüchen auf ihre Berechtigung. Die Religion kann so im selben Maße mit der Gemeinschaft der Gläubigen und ihren Entwicklungen mitwachsen,

sofern dieser internen Kritik auch wirklich Be-achtung geschenkt und Anregungen ernsthaft in Erwägung gezogen werden, in Abwägung zu den Wurzeln. Kritik ist also jenes Werkzeug, welches verhindern kann und soll, dass Religion zurück bleibt und gleichzeitig für eine Säuberung von Machttaumel und Irrmeinungen sorgt.
Auch Kritik an einer Religion oder einzelner Aspekte von außen ist berechtigt um der genannten Religionsfreiheit die berechtigten und notwendigen Grenzen zu setzen, wenn diese drohen überrannt zu werden, sobald die Rechte Außenstehender zum Beispiel gefährdet werden oder dergleichen.

Als nicht sinnvoll betrachte ich allerdings jene Form der Religionskritik durch Außenstehende (oder auch enttäuschte und erboste ehemalige Anhänger), welche in erster Linie darauf abzielt die eigene Ansicht oder Glaubensüberzeugung als überlegen darzustellen bzw. die andere „herunter zu machen“. Kritik kann zwar im Idealfall sowohl intern als auch von außen zu einem hilfreichen Denkanstoß werden, dies gilt aber kaum für untergriffige Formen wie Karikaturen und Schmähschriften. Letztendlich ist diese Form der Kritik nämlich aus der untersten Schublade, bedient sie sich doch keiner Tatsachen, sondern Oberflächlichkeiten und gebraucht diese als emotionale Waffe. Und solcher Art sind auch die Reaktionen darauf: brüllendes Wiehern und Schenkelklopfen auf Seiten des geneigten Publikums und der Zorn verletzten Stolzes bei den Ange-griffenen, mitunter sogar noch stärker bei jenen, die sich diesen auf irgendeine Art und Weise verbunden fühlen. Anstatt den Dialog zu propagieren, können solche Vorgehensweisen Fronten nur verhärten oder gar entstehen lassen.
Man erinnere sich des Falles an einer deutschen Schule, auf welcher von einem Mitschüler zwei muslimischen Jungen Würstchen angeboten wurden und auf ihr Nachfragen hin versichert wurde, dass sie diese bedenkenlos essen könnten. Danach machte dieser sich über sie lustig und darüber, dass sie gegen ihr religiöses Verbot des Verzehrs von Schweinefleisch verstoßen hatten. Für Aufsehen sorgte dieser Fall vor allem aufgrund der Bestrafung des Jungen und eines empörten (wie einseitigen) Artikel der Bild-Zeitung. Ohne jetzt näher auf diesen Fall einzugehen stimmt es mich bedenklich, wie die Jugend heutzutage mit Anderem umgeht. Als respektvoll kann dieser Bubenstreich keinesfalls bezeichnet werden. Besonders fragwürdig erscheint es mir in Anbetracht der Tatsache, dass es auch vernünftige Erwachsene gibt, die es als gut und richtig erachten, wenn man so genannte Autoritäten der Lächerlichkeit preisgibt.
Solcherlei „Scherze“ mögen zwar zumeist keine sichtbaren Waffen darstellen, aber es sind dennoch schmerzhafte Stacheln, deren vergiftende Wirkung mitunter erst nach einiger Zeit zu Tage tritt, meist dann, wenn sie die ersten Opfer einfordert. Auf die Spitze getrieben, stellt sie einen verzweifelten Aufschrei dar, von Personen (-gruppen), welche den Eindruck haben, sich auf andere Weise nicht Gehör verschaffen zu können, sozusagen eine Art von Terrorismus in Wort und Bild. Dadurch prallen verschiedene Freiheiten aufeinander: Religionsfrei-heit, Meinungsfreiheit und auch so etwas wie die künstlerische Freiheit.

Ohne Kritik - seien wir mal ehrlich - funktionieren unsere Gemeinschaften auf Dauer nicht und degenerieren. Sie ist und bleibt ein wichtiges Medium und ist überaus wertvoll, solange sie nicht als Waffe missbraucht wird. Damit dieses System aber funktioniert, muss auf allen Seiten gelernt werden. Einerseits der sachliche und respektvolle Gebrauch von Kritik sowie die Wahl der geeigneten Mittel und andererseits die Offenheit für eine solche kritische Auseinandersetzung auf allen Seiten. Nicht zuletzt ist es auch wichtig, eine lösungsorientierte Diskussionskultur zu schaffen, innerhalb derer Kritik vor allem dazu da ist, den Anstoß zu geben um gemeinsam Probleme und Differenzen einer Lösung zu zuführen. Anstatt des gewohnten Wettbe-werbsgedanken sollte Kommunikationskultur nicht nur bei Erwachsenen, sondern bereits von Kindes-beinen an trainiert werden.
Nur dann kann ein Leben unter Wahrnehmung aller Freiheiten, sowohl der Glaubens- und Religions-freiheit als auch der Meinungsfreiheit zum Wohle aller gelingen.

>> zurück zum Anfang <<

 

Feature: Kronos
von Sandra Mauler (Sassa)

Kronos

Mit ihm schließen wir unseren Zyklus zu den Titanen ab: Kronos, jüngster Sohn des Himmels (Ouranos) und der Erde (Gaia).
Zu den wichtigsten Attributen des Kronos zählt die Sichel, einerseits Symbol für seinen Ursprung als bedeutende Fruchtbarkeits- und Erntegottheit in vorgriechischer Zeit, andererseits auch myth
olog-isch begründet als jenes Werkzeug, mit welchem er seinen eigenen Vater entmannte um dessen Platz an der Spitze des Kosmos einzunehmen. Kronos steht in all seinen Aspekten für eine frühe Zeit der Menschheitsentwicklung, in der Landwirtschaft und die Fruchtbarkeit der Felder eine bedeutendere Rolle gespielt haben als z.B. Handel oder Kriegführung. Er wurde übrigens, nachdem er von Zeus überwältigt worden war, auf die Elysischen Felder verbracht, wo er den Zustand des Goldenen Zeitalters aufrecht erhält – eine der Jenseitsvorstell-

ungen der Griechen (genauer gesagt, der Orphiker) ist es, dass Helden ebenfalls nach ihrem Tod dorthin ge-langen.
Die Gattin des Kronos ist Rhea, die Große Mutter. Rhea lässt das Korn wachsen, und Kronos erntet es. Der Name Kronos kann von unter anderem von kraino (= vollenden, aber auch herrschen, gebieten), abgeleitet werden, Kronos wäre also der "Vollender". Wenn man diese Beziehung mit der Beziehung der Eltern Ouranos und Gaia (also Himmel und Erde als Urprinzipien) vergleicht, gelangt man auf eine Ebene, in der sich die Welt schon weiter "verdichtet" hat, zu ihrer endgültigen Ausformung in der Glaubenswelt der Griechen gelangt sie dann mit den Olympiern unter Zeus – die Aufgabe der Fruchtbarkeitsgöttin hat dann die Kronostochter Demeter übernommen, und die Welt ist fest gefügt unter der Herrschaft des Zeus.

Die Meisten kennen Kronos aus den Mythen als eine überaus brutale Persönlichkeit, die ohne große Bedenken auf Anraten der eigenen Mutter seine Brüder und Schwestern dazu anstiftet den Vater zu entmachten. Um die gewonnene Macht nicht zu verlieren, versucht er sogar das Schicksal zu betrügen. Nach einem Orakelspruch, der ihm voraus sagt, dass sein eigener Sohn ihn wiederum stürzen wird, verschlingt er jedes Kind, welches seine Schwesterngattin gebiert, bis diese sich einer List bedient und das Orakel Erfüllung findet.

Kronos ist auch der Ankylometes, der "krummen Sinnes" (wie sein Enkel Prometheus), und wenn man von der Annahme ausgeht, dass das "gerade" Denken dem geordneten System, das Zeus repräsentiert, entspricht, wäre eine andere Denkweise natürlich kontraproduktiv. Aber auch das ist eine Eigenschaft der Griechen – sie lassen auch dem Andersartigen Raum, wenn auch nur für wenige Tage im Jahr. Dieses findet an den Kronia, diesem außergewöhnlichen Fest zu Ehren des Kronos, im attischen Monat Hekatombaion statt. Für die Dauer dieses Festes wird das goldene Zeitalter herauf beschworen und die gültige soziale Ordnung außer Kraft gesetzt, so tafeln Sklaven beispielsweise mit ihren Herren oder werden von diesen gar bedient. Ganz ähnlich verfuhr man an den römischen Saturnalien, welche zwar im Jahresrad den Kronia gegenüber liegen, aber dennoch häufig mit diesen verglichen werden. Dies ist auch einer der Hauptgründe weshalb der Gott Saturn als das römische Gegenstück zu Kronos betrachtet wird. Etymologisch wird häufig eine Entsprechung zu Chronos, dem griechischen Begriff und Gott der Zeit gesucht, was allerdings nur scheinbar schlüssig ist. Als ihm entsprechend wird mitunter auch der phönizische Gott Baal-Hammon, oder der semitische El genannt. Viele weitere Gottheiten könnten aufgrund einzelner Übereinstimmung in Kult oder Mythos mit Kronos verglichen werden, was allerdings meines Erachtens nur bedingt Sinn macht und für uns höchstens zweitrangig ist.

Mit Kronos wird übrigens ein Steinkult verbunden. In Delphi soll eben jener Stein verehrt, täglich geölt und regelmäßig in frische Leinenbinden gewickelt worden sein, welchen Rheia ihrem Gatten Kronos anstelle des gemeinsamen Sohnes Zeus reichte. Dieser ist aber bitte nicht mit dem Omphalos, dem so genannten Nabelstein zu verwechseln. Bei diesem verehrten Bätyl könnte es sich um eine Meteoriten handeln, der tatsächlich vom Himmel kam, als eben das von Kronos ausgespuckte „falsche Kind“.

Da Kronos einer der wenigen Titanen ist, dem kultische Verehrung entgegen gebracht wird, ist es auch interessant seinen Kult zu begutachten und evt. wieder zu beleben. Wir können zum Beispiel Anleihen am bereits erwähnten delphischen Steinkult nehmen. Als Opfergaben für Kronos eignet sich besonders, worüber eine frühe Ackerbaugesellschaft eben verfügte: Getreideprodukte, Beeren, u.ä. und auch kein Wein, sondern höchstens "echter" Met - aus Honig, Wasser und Hefe vergoren, also kein (Trauben-)Wein mit Honigbeimengung. Honig spielt mythologisch im Zusammenhang mit Kronos außerdem auch immer wieder eine Rolle und in manchen Erzählungen war es (vergorener) Honig, welchen sein Sohn Zeus nutzte um Kronos zu betäuben um ihn fesseln zu können. Als Rauchopfer empfehlen die Orphiker - wie wir von der Hymne an Kronos wissen – Styrax, ein sehr schweres, süßlich duftendes Räucherharz, welches neben Weihrauch auch heute noch in der griechisch-orthodoxen Kirche häufig verwendet wird.


  Orphische Hymne an Kronos
(Übersetzung von Ewald K Strohmar)

Entflammter, Vater der seligen Götter
und der Menschen,
listiger Ratgeber, Unbefleckter,
Mächtiger, streitbarer Titan,
du verzehrst alles und vermehrst es dennoch selbst,
mit unzerstörbaren Bändern
hältst du den unendlichen Kosmos zusammen,
Kronos, Erzeuger der Zeit,
Kronos von den kunstvollen Geschichten,
aus der Erde entsprossen und inmitten des Himmels,
erzeugt, gewachsen, verkleinert
Gemahl der Rhea, heiliger Prometheus,
der du wohnst in allen Bereichen des Kosmos,
Beherrscher alles Gewordenen,
Verschlagener, Bester!
Höre meine bittende Stimme
und gewähre ein glückliches Leben und ein zufriedenes Ende.

>> zurück zum Anfang <<

 

Kinderbücher: Mythen
von Sandra Mauler (Sassa)

Mythen sind dazu da erzählt zu werden, allerdings sind unsere nicht unbedingt leichte Kost. Und entgegen landläufiger Meinungen gehört die griechische Mythologie nicht in die Kategorie der „Märchen für Kinder“. Das heißt aber nicht, dass man den Kleinen selbige nicht auch nahe bringen könnte. Wer sich allerdings nicht sattelfest genug fühlt um die eine oder andere Erzählung in kindgerechter Version wieder zu geben, der kann sich ja mit entsprechenden Büchern behelfen. Die deutschsprachige Literatur hält unsere Mythen allerdings nur in wenigen Versionen und selbige ausschließlich für Kinder ab einem Alter von etwa 10 Jahren bereit.


Wer allerdings halbwegs gut Englisch kann, dem sei „The Orchard Book of First Greek Myths“ (ISBN: 1-84121-775-1), ans Herz gelegt. Die einfachen Nacherzählungen tragen reißerische Titel wie „Goldfingers“, „Spider-Woman“ oder „The Secret Chest“, sind liebevoll illustriert und eignen sich ausgezeichnet um Kindern ab einem Alter von etwa 4 Jahren vorgelesen zu werden. Damit sind sie bestens als Einsteigerbücher geeignet. Ich lese die Geschichten z.B. direkt auf Englisch vor und übersetze parallel ins Deutsche. Man sollte sich aber nicht daran stoßen, dass die Geschichten zum leichteren Verständnis ziemlich vereinfacht wurden, so taucht zum Beispiel Prometheus namentlich bei der Erzählung von Pandora gar nicht auf, sondern tritt lediglich Rat gebend als Bruder des Epimetheus in Erscheinung. Schön liest sich aber,
The Orchard Book of First Greek Myths
wie Pandora zum Schluss die Hoffnung freilässt, nachdem sie dies bereits versehentlich mit all dem Übel der Welt getan hatte:
Gently, Pandora carried Hope outside and watched it flutter away on the air. „Remember,“, it called back to Pandora. „Wherever there is trouble, I will be there to help.“ Some people say that Hope is still flying around the world, bringing help to those who need it.

Greek Myths Jigsaw Book
Regelrecht zum Greifen nahe erscheinen die Geschichten im „Greek Myths Jigsaw Book“ von Usborne (ISBN: 0-7945-1183-X). Hier sind sie nämlich mit wunderschönen Illustrationen in Form eingelegter Puzzles verknüpft. Bereits bei erster Ansicht beeindruckt das Buch durch seinen Umfang und die glänzend goldene Spezialdruckfarbe, mit welcher Details der Bilder zusätzlich hervorgehoben wurden. Die einzelnen Puzzles lassen sich gut aus dem Buch lösen und können darin oder auch am Tisch (ohne den helfen Vordruck auf der Unterlage) fast ebenso leicht wieder zusammengesetzt werden. Das mittlere Puzzlestück hat übrigens immer eine andere Form, die in irgendeiner Weise mit dem Thema des jeweiligen Mythos zusammen hängt, so stellt es bei der Geschichte von den Argonauten z.B. eine Fischgestalt, beim Baum mit dem goldenen Flies das Blatt einer Eiche und bei der Erzählung von der Entführung der Persephone eine Blüte dar.


„Die Irrfahrten des Odysseus“ (ISBN: 3-8067-4769-5) von Adrian Mitchell, aus der Reihe Visuelle Bibliothek – Klassiker für Kinder des Gerstenberg Verlags trägt das Antlitz eines Sachbuches für Kinder. Während der Leser die Abenteuer des griechischen Helden und seinen Weg nach Hause Kapitel für Kapitel verfolgt, erhält er ganz nebenbei Informationen über das antike Griechenland, den trojanischen Krieg, die Entdeckung Trojas durch Schliemann, die Götterwelt des hellenischen Kosmos und vielerlei zusätzliche Informationen zu Inhalten des Textes. Die Geschichte selbst ist reich illustriert und wird hie und da durch Abbildungen griechischer Vasen, anderer Fundstücke und szenischer Bilder aus dem einen oder anderen Monumentalfilm abgerundet. Für Kinder ist das Buch zwar schön anzuschauen, aber der Text trotz allem nicht gerade leicht verständlich, dafür kann es aber die Lücke zwischen sachlicher Beleuchtung einer vergangenen
Die Irrfahrten des Odysseus

Epoche und phantasievoller Märchendichtung ausgezeichnet schließen und ist eine schöne Investition im Bücherregal einer hellenischen Familie.

Auch Dimiter Inkiow, der bekannte Kinderbuchautor, hat sich der griechischen Mythologie angenommen. So können aus seiner Feder „Die Heldentaten des Herkules“, die „Illias“, „Die Irrfahrt des Odysseus“ oder einfach „Die schönsten griechischen Sagen“ gelesen oder als Hörbuch genossen werden. Daneben stehen aber auch andere Versionen zu Verfügung wie „Das Feuer des Prometheus“ (ISBN: 3-401-05273-X) von Willi Fährmann oder das wohl bekannteste Buch „Sagen des klassischen Altertums“ (ISBN: 3458344926) von Gustav Schwab, welche beide zum Lesen eher anspruchsvoll sind und mir für Kinder unter 12 Jahren nicht unbedingt geeignet erscheinen.
Auch die Bücher von Michael Köhlmeier (siehe dazu: Mythologie leicht verständlich mit Michael Köhlmeier) erscheinen ob ihres lockeren Erzählstils auf den ersten Blick verlockend. Da der Autor die Komplexität der Mythen und die große Anzahl an erscheinenden Personen aber nicht wirklich entschärft, sondern diese in erster Linie in moderne Sprache kleidet und mit einem Hauch seiner ganz persönlichen Meinung versieht, sind auch diese Bücher eher für (junge) Erwachsene denn für Kinder geeignet.


Auch die Götter lieben FussballFussballgötter

Passend zur Europameisterschaft, die gerade in unserem Land statt gefunden hat, sorgt das Bilderbuch „Auch die Götter lieben Fußball“ (ISBN: 3-907588-93-2) von Heinz Janisch, erschienen im Bajazzoverlag , für frischen Wind im Mythenregal.

Dieser originelle Schöpfungsmythos erzählt zwar nicht die Geschichte unserer Götter, aber eine gewisse Ähnlichkeit in den Gottesvorstellungen lässt sich nicht leugnen. Und wer weiß, vielleicht war es wirklich ein zorniger Tritt des schlechten Verlierers der unsere Existenz ins Rollen gebracht hat und die Götter, die Fußball nämlich lieben, sitzen, wie der Autor schreibt, dann und wann tatsächlich unsichtbar im Stadion und haben viel Spaß.

Auf alle Fälle macht es Spaß dieses Buch zu lesen, egal ob mit oder ohne Kinder und unabhängig davon, ob man selbst dem Massentaumel um das runde Leder verfallen ist oder nicht.


In jedem Fall ist es empfehlenswert die jeweiligen Bücher selbst zu lesen, bevor man sie Kindern serviert. Einerseits kann man sie dadurch auf Subbotschaften der meist christlichen Autoren überprüfen und andererseits beurteilen, ob die eigenen Kinder den Stoff überhaupt schon verarbeiten können. Darüber hinaus sollte man sich darauf einstellen, die Mythen mit dem Nachwuchs nicht nur zu lesen, sondern auch zu besprechen. Dies ist nicht nur für die Kleinen sinnvoll, sondern auch für Mama und Papa lohnend, bieten unsere Kinder doch manchmal ganz erstaunliche Sichtweisen, auf die wir selbst andernfalls vielleicht gar nicht gekommen wären.

>> zurück zum Anfang <<

 

Zwölf Götter: ein Altar - Eine runde Sache
von Sandra Mauler (Sassa)

Eigentlich ist die hellenische Regel sehr einfach: jedem Gott sein eigener Altar. Das gilt zumindest im öffentlichen Bereich der Religion. Freilich stehen dem modernen Hellenisten in den seltensten Fällen öffentlich zugängliche Tempel und Schreine der einzelnen Gottheiten zur Verfügung, weshalb er sich durch die Errichtung privater Kleinheiligtümer behelfen muss. Wer aber auch im privaten Umfeld der oben genannten Regel entsprechen möchte, baut sich nach Möglichkeit und Platzangebot in den eigenen vier Wänden oder falls zur Verfügung steht, im Garten verschiedene Schreine für die einzelnen Götter. Dies führt aber - konsequent erweitert – irgendwann dazu, dass aus einem Wohnhaus ein Tempelbezirk wird und die Wohnfunktion hinter der Ansammlung heiliger Stätten gar zurück tritt, was nun auch nicht Sinn der Sache sein kann.
Ein weiterer Grundsatz vieler Hellenisten ist es außerdem zumindest den zwölf einzelnen Olympiern gleichermaßen viel Aufmerksamkeit im Rahmen des Kultus entgegen zu bringen. Und so sehr man sich auch bemüht das richtige Gemisch an verschiedenen Hausschreinen zu pflegen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die eine oder andere Gottheit vernachlässigt oder gar „ausgelassen“ wird. Um dem vorzubeugen bildet die Errichtung eines gemeinsamen Altars für alle zwölf Götter eine adäquate Alternative.

Die Idee für einen solchen Altar, auf welche ich übrigens in einem US-amerikanischen Forum gestoßen bin, beruht auf einer Inspiration durch die antike hellenistische Kultpraxis Athens selbst. Denn schon im alten Athen befand sich auf der Agora ein gemeinsamer Opferaltar für die zwölf Götter. Soweit bekannt handelte es sich dabei um einen runden Altar, in dessen Mitte sich ein gemeinsames Opferfeuer befand. Die übrige Fläche war in zwölf Kreissegmente aufgeteilt. Jeder dieser Teile war fix einer Gottheit zugeordnet, vermutlich durch eine Inschrift oder ein Relief an der Seite des Altars. Wer zu einer bestimmten Gottheit beten wollte, näherte sich dem Altar von dessen Seite aus und konnte dort auch Weihrauch opfern oder ein Trankopfer darbringen. Sonstige Gaben konnten aber auch im zentralen Opferfeuer, welches keiner einzelnen Gottheit zugeordnet war, dargebracht werden.
Auf Basis dieses antiken Vorbildes kann sozusagen ein kleiner runder 12-Götter-Altar für das häusliche Umfeld zusammengestellt werden.


Man benötigt:

Runder Platzteller
Sand
12 Birkenholzscheiben oder Flusssteine
kleine Schale oder Teller
Teelicht oder Kerze
Lackstift

Der Aufbau des Altars ist überaus einfach. Zuerst wird jede der Holzscheiben jeweils mit einem Götternamen oder einem entsprechenden Symbol, also z.B. ein Blitz für Zeus, ein Dreizack für Poeseidon, ein Medusaschild für Athene etc. beschriftet. Nun wird der Platzteller mit dem Sand ausgestreut. In dessen Mittelpunkt platziert man die kleine Schale, welche als Behältnis für Opfergaben oder als Kerzenständer etc. dient, je nach Verwendung des Altars. Rundherum werden die Holzscheiben kreisförmig verteilt, sodass allen Gottheiten ein ge-

12-Götter-Altar

nau gleich großes Kreissegment zufällt. Die Scheiben positioniert man am besten so, dass man die Namen der Götter lesen kann, wenn man den Teller dreht. Damit ist der Altar bereits fertig eingerichtet und kann „in Betrieb“ genommen werden, denn aus diesem Arrangement wird natürliche erst durch das Darbringen von Opfergaben ein wirklicher Altar.

Wer seinen Platz mit Nichthellenisten teilt und den Altar weniger auffällig gestalten möchte, kann anstelle der beschrifteten Holzplättchen oder Steine von vorneherein verschiedene Gegenstände wählen, welche die einzelnen Götter repräsentieren. Dadurch erscheint das kleine Heiligtum einem Außenstehenden eher als individuelles Wohndekor und ist weniger auffällig. Auch die Verwendung von unterschiedlichen, den jeweiligen Göttern zugeordneten Halbedelsteinen und Mineralien ist als eine mögliche Variante denkbar. Wichtig ist letztendlich nur die eindeutige Zuordnung gleich großer Altarabschnitte zu den einzelnen Göttern und eine Möglichkeit um Opfergaben im Zentrum des Rundaltars darzubringen.

Dieser runde 12-Götter-Altar kann auch als Familienaltar für die tägliche Praxis genutzt werden und bietet die optimalen Bedingungen um allen zwölf Göttern in etwa dieselbe Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.


So könnte man sein Gebet in regelmäßigen Abständen an eine andere Gottheit richten, indem man den Altar zum Beispiel jeden Tag um ein Segment weiter dreht und dem jeweiligen Gott eine Hymne singt und opfert.

Bei uns stellt dieser Altar den idealen Ort für das gemeinsame Abendgebet mit den Kindern dar, da wir dieses bislang meist nur an Helios und Selene richteten, so aber auch stets einen der Olympier bedenken und über ihn oder sie sprechen können. Dadurch lernen wir gemeinsam auch jene Götter besser kennen, denen wir bisher vielleicht zu wenig Aufmerksamkeit entgegen brachten.

>> zurück zum Anfang <<

 

So war's: Stammtisch, oder was? (Juni 2008)
von Sandra Mauler (Sassa)

Eigentlich sollte hier ein kleiner Bericht über unseren letzten Stammtisch stehen, ein kurzer Text, der die gute Laune am knisternden Feuer wieder gibt und einen Eindruck vermittelt von anregenden Gesprächen über „heidnische“ Inhalte moderner Musikrichtungen. Ja, es fing ja auch alles gut an, als ich Ende Mai meine spontane Idee mit dem Lagerfeuer äußerte, doch dann kam alles ganz anders.
Zuerst waren da Zweifel meinerseits, ob überhaupt jemand daran Interesse haben könnte, die Stadt für den Stammtisch zu verlassen und am Gramartboden auf einer großen Lichtung zur Gesprächsrunde zu kommen. Die ersten Reaktionen waren aber überwiegend positiv, so ließ ich die Organisation anrollen. Texte für die Homepage mussten geändert werden, ebenso die Einträge in diversen Onlinekalendern und natürlich gab es auch zu organisieren, wer Grillkohle, Feuerholz und dergleichen mitbringt.
Die Zusagen häuften sich und in der Woche vor dem Stammtisch war ich guter Dinge, dass wir dieses Mal vielleicht sogar die 10-Personen-Grenze würden knacken können. Aus diesem Grund entschied ich mich kurzfristig noch einen großen Grillrost zu kaufen, damit auch ausreichend Platz war. Dazu sammelte ich weitere Kleinigkeiten wie Gartenfackeln und Windlichter, für den eher unwahrscheinlichen Fall, dass es Probleme mit der Grillstelle geben sollte und wir kein Feuer machen könnten. Um aber in jedem Fall eine gute Stelle am Gramartboden zu ergattern, beschloss ich mit den Kindern bereits am Nachmittag mit dem Bus hinauf zu fahren.

Am Abend vor dem Stammtisch fand ich dann in meiner Mailbox leider eine Absage vor. Damit fiel diejenige aus, die einen Radio für unsere Hörproben hätte mitbringen können. Schade, dachte ich, und entstaubte unseren Radio mit CD-Player und lud auch gleich die monströsen Akkus auf, da es auf Waldlichtungen üblicherweise ja keine Steckdosen gibt. Damit hatte sich schon ein riesiger Berg von mitzunehmenden Dingen angesammelt. Akesios nahm extra einige Stunden Zeitausgleich, damit er nach der Arbeit Grillrost, Kohle, Grillbesteck, Alutassen, Geschirr, Besteck, Sitzunterlagen, Radio, Fackeln, Kerzen, Warme Kleidung, Getränke, Löschwasser, Grillgut und einige andere Kleinigkeiten ins Auto verfrachten und auf den Gramartboden bringen konnte.
Ich selbst brach dann am Freitag, dem 20. Juni 08, zirka um 14 Uhr mit den Kindern und Sack und Pack von zuhause auf. Nach etwa einer Stunde Busfahrt und einmal Umsteigen erreichten wir den Stadtteil Hungerburg. Das Wetter war ausgezeichnet auch wenn sich immer wieder einige Wolken stauten. Die Kinder waren ebenfalls guter Dinge, so gestaltete sich die halbe Stunde Fußmarsch zum Gramartboden einigermaßen entspannt. Dort angekommen meldete auch Akesios telefonisch, dass er bald kommen würde. Ich lud unsere Sachen schon mal an der üblichen Grillstelle ab, breitete die Decke aus und machte klar, dass dieser Platz nun besetzt war.
Mein Mann war noch gar nicht da, als das Telefon ein weiteres Mal klingelte. Es war Barbara, die gleich zu Beginn warnte, dass sie keine besonders guten Neuigkeiten hatte. Leider musste sie tatsächlich drei Absagen weiter leiten, darunter auch die Moderatorin unseres Themas „Heiden und Musik“, welche aufgrund von Lernstress nicht kommen konnte. Wir unterhielten uns ein wenig und stellte beide enttäuscht fest, dass folglich außer unser nun doch niemand kommen würde. Aus diesem Grund machten wir aus, dass es dann keinen Sinn hat, dass Barbara extra kommt, immerhin hatte sie doch ein ordentliches Stück Weg zur Anreise.

Somit wurde aus dem Lagerfeuer-Stammtisch-Abend ein gemütliches Grillpicknick für die Familie. Immerhin hatten wir Verstärkung von zwei meiner Freundinnen, die sich noch spontan zu uns gesellten. So wurde es noch ein netter Abend.
Aber die Tatsache, dass letztendlich niemand gekommen ist, bleibt immer noch als Enttäuschung bestehen. Am meisten schmerzt die kurzfristige Absage unserer Moderatorin, wenn sie auch nicht besonders schwer wiegt, da ja ohnehin niemand zum Stammtisch kam. Die Frage, ob es Sinn hat, den Stammtisch aufrecht zu erhalten, obwohl ihm wie es scheint nur mäßiges Interesse entgegen gebracht wird, bleibt noch zu klären. Die nächsten beiden Termine sind jedenfalls fixiert und dann müssen wir erst einmal sehen ob und wie es weiter geht.

Stammtisch im Juni 08

>> zurück zum Anfang <<

 

Aus dem Kalender

Am Monatszwölften, also dem 15. Juli 2008, werden die Kronia, Feiern zu Ehren des Kronos und Gedenken des goldenen Zeitalters begangen. Der nächste Vollmond findet am Freitag, dem 15. Hekatombaion (18. Juli 2008) um etwa 9:00 statt. Als Termin für Mesomenia-Feiern empfiehlt sich daher der darauffolgende Samstag, der 16. Hekatombaion (19. Juli 2008). Gegen Monatsende, um genau zu sein am 28. Monatstag (dieses Jahr der 31. Juli), werden üblicherweise die Panathenaia, Feste zu Ehren (des Geburtstages) der Athene, begangen. Diesem Fest kommt eine große Bedeutung zu, da die Göttin ja auch Schirmherrin Athens ist. Ohne fixen Termin wird gegen Ende des Monats auch das Fest der Synokia gefeiert.
Der Monat Metageitnion beginnt mit Noumenia am 2. August 2008. Vollmond ist am 15. Tag des Monats (Samstag, 16. August 2008), der auch gleich den idealen Termin für Mesomenia-Feiern bildet. Darüberhinaus gibt es keine grö0eren Festtage, welche in den Monat Metageitnion fallen.
Der Monat Boedromion beginnt mit Noumenia am Sonntag, dem 31. August 2008.

>> zurück zum Anfang <<

 

Stammtisch Alter Religionen und Philosophien

Auch weiterhin findet regelmässig am 3. Freitag jeden Monats ab 19:00 unser Stammtisch statt, in unserem neuen Stammlokal, der Cafe-Bar Hokuspokus (Innsbruck) statt. Wir treffen uns zu einer offenen Gesprächsrunde über die Religionen und philosophischen Systeme alter (vorwiegend europäischer) Kulturen, also z.B. der Griechen, Römer, Kelten, Germanen oder auch Ägypter und klein- sowie vorderasiatischer Völker. Wir wollen uns theoretisch und praktisch mit diesen polytheistischen Weltsichten auseinander setzen sowie allen Interessierten die Möglichkeit geben Kontakte aufzubauen und sich mit Anderen auszutauschen.

Die nächsten Termine:
Fr., 18. Juli 2008
Fr., 15. August 2008
Die jeweiligen Themen, Termine eventueller außertourlicher Treffen sowie weitere Informationen findet ihr auf der Website des Stammtisches oder ihr könnt auch den Infomailer abbonnieren, indem ihr einfach ein Mail an mich sendet.

Stammtisch Alter Religionen und Philosophien

>> zurück zum Anfang <<

 

Impressum

Kontakt: Redaktion
Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: 31. August 2008

© aller Abbildungen und Texte (wenn nicht anders angeführt): Sandra Mauler
Kontaktadressen der Gastautoren können bei der Redaktion erfragt werden.

Für den Inhalt verlinkter Seiten wird keinerlei Haftung übernommen.

An- bzw. Abmeldungen dieses Newsletters, sowie sonstige Zuschriften bitte an die Redaktion. Abgesehen von An- und Abmeldungen werden alle E-Mails, die bei der Redaktion einlangen, als Leserbriefe betrachtet und behandelt. Dennoch halte ich Rücksprache mit den Absendern, sollte ich mich auf eingegangene Post beziehen.

Diskussionsmöglichkeit und Platz für Wünsche und Anregungen bietet auch unser Forum.
Dieser Newsletter gehört zu den Angeboten der Homepage "KHAIRE - Hellenismos in Österreich".

>> zurück zum Anfang <<