Theogamia
Am 24. Tag des Monats Gamelion begehen wir Hellenisten das Fest der „Theogamia“ (von welcher sich unter anderem auch die Monatsbezeichnung ableitet). Der Festname setzt sich aus den beiden Wörtern theos, altgriechisch für göttlich beziehungsweise Gott, und gamos, für Hochzeit, zusammen, wodurch der Anlass bereits beschrieben wird.

Es handelt sich bei den Theogamia die Ehrung der geheiligten Verbindung des olympischen Herrscherpaares Zeus und Hera. Die Ehe dieser beiden Götter stellt als Basis der Zeusfamilie einen wesentlichen Bestandteil der kosmischen Ordnung dar, wie sie uns vertraut ist. Überhaupt liegt die eheliche Verbindung zweier Menschen dem Kerngebilde der hellenistischen Gesellschaft, nämlich dem einzelnen Haushalt, zugrunde. Somit ist die Ehe bzw. Partnerschaft selbst durchaus als eine heilige, ehrenwerte Verbindung zu betrachten, welcher Respekt entgegen gebracht werden sollte. Stellvertretend für alle Ehen wird an den Theogamia eben diese ganz besondere und ordnende Verbindung der beiden Götter geehrt bzw. direkt ihrem Hochzeitsfest gedacht. Auch wenn es sich um ein Fest für Zeus und Hera handelt, so kommt doch der Göttin dabei doch eine etwas stärkere bzw. doppelte Bedeutung zu, da sie als Schutzherrin der Ehe gilt und als solches Verehrung genießt.

Wir wollen also Zeus und Hera ehren sowie der Heiligkeit partnerschaftlicher Verbindungen gedenken. Zu diesem Zweck können wir ein großes Fest mit Thusia oder Spondai veranstalten. Mein Mann und ich haben darüber hinaus beschlossen, dass wir diesen Festtag anstelle des kalendarisch nahen Kommerzfestes „Valentinstag“ betonen und auch unsere eigene Verbindung feiern möchten. Anstelle des „Tag der Liebe“, begehen wir daher einen „Tag der Ehe/Partnerschaft“ (auch wenn wir selbst nach staatlichem Recht nicht verheiratet sind, so gelten wir nach hellenistischer Auffassung als Ehegatten und Oberhäupter unserer Familie). Es ist nicht das Fest einer Aphrodite oder eines Eros, sondern der Hera und des Zeus (in seine Eigenschaft als Gamelios). Liebe und Leidenschaft sind wichtige und nicht zu vernachlässigende, aber mit Sicherheit nicht die einzigen Bestandteile einer Beziehung, die zu Recht als Ehe bezeichnet werden darf. Eine Partnerschaft bedeutet gegenseitige Verantwortung zu übernehmen und beinhaltet diverse Zugeständnisse. Die Ehe ist keine gegenseitige Besitzurkunde, sondern die Entscheidung ein Team zu bilden, ja zu einer Einheit zu werden. Eine solche Beziehung, so sie funktionieren soll, benötigt Aufmerksamkeit und Pflege, besonders in diesen Zeiten, da Trennungen einfach und zur alltäglichen Angelegenheit zu werden scheinen.

Die Ehe (bzw. Partnerschaft) soll geheiligt werden, es würde ihr aber schaden, wenn neben dem Ernst der Angelegenheit nicht auch entsprechend Raum für Humor und Lebenslust bliebe. In Form eines Festes sollen beide Aspekte vereint werden. Machen wir uns ihre generelle Bedeutung aber auch jene für uns persönlich bewusst. Freuen wir uns über einander und jedes gemeinsame Jahr, welches hinter und vor uns liegen mag. Vielleicht nutzen wir diesen Anlass unserem Partner wieder einmal zu sagen, dass es nicht nur Gewohnheit ist, die uns zusammen hält, und dass wir stolz auf das sind, was wir gemeinsam bewältigt haben. Wir können uns auch gegenseitig kleine oder größere Aufmerksamkeiten unterschiedlicher Art schenken, egal ob diese nun materieller Natur sind oder auch nicht. Es wäre aber sinnvoll wenn beide Partner sich einig sind, ob sie sich an den Theogamia gegenseitig etwas schenken möchten oder nicht. Es mag sich nicht um ein Fest der Liebe handeln, aber trotzdem können wir auch ihr Ausdruck verleihen. Sei es mit einer Blume, einem gemeinsamen Frühstück, einem selbst verfassten Gedicht oder einer anregenden Massage.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern wunderschöne Theogamia!

Copyright by Sandra Mauler (Sassa)

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