Die Feste mit Kindern feiern

Hellenismos bedeutet Gemeinschaft. Hellenismos bedeutet auch Festlichkeit und Lebensfreude. Neben den alltäglichen Kulthandlungen und Gebeten sind es vor allem die Feste, zu denen wir Hellenisten zusammen kommen. Davon gibt es grundsätzlich zwei Arten: die familiären bzw. gemeinschaftlichen Anläße und die regelmäßigen Festtage zu denen jeweils eine (manchmal auch mehrere) Gottheit im Mittelpunkt steht.
Wie man diese Feste auch für die jüngsten Teilnehmer spannend gestalten kann, möchte ich auf dieser Seite näher gestalten

Bisher stehen folgende Tipps zur Verfügung:

 

Theogamia, Anthesteria, Diasia, Thargelia, Synokia, Panatheneia, Pyanopsia, Thesmophorien, Heliou Genethlion
   
Im Netzwerk unter Events findest du unter anderem die Termine unser offenen Feste. Außerdem gibt es in der Werkstatt allerhand Bastel- und Rezeptideen zu entdecken, teilweise insbesondere für einzelne Anläße.

> nach oben <


Allgemeine Festtipps

"Mama, ist heute Noumenia?"
 
Haben wir nicht schon als Kinder unsere eigenen Eltern gelöchert, wann denn endlich unser Geburtstag oder der heißersehnte nächste Feiertag ist? Der einfachste und anschaulichste Weg um mit dieser Fragerei um zu gehen ist die Anfertigung eines "Festkalender" o.ä. Dieser kann täglich begutachtet werden, um fest zu stellen, welches Fest als nächstes ansteht und wie lange man noch darauf warten muss oder wie viel Zeit einem für Vorbereitungen bleibt. Er ist also sowohl für Eltern praktisch als auch für die Kinder hilfreich. Einige Gestaltungsvorschläge solcher Kalender könnt ihr in der Werkstatt finden.

> nach oben <

 

Kinder in den Ablauf einbinden
 
Dass sich Kinder aus Langeweile während eines Rituals mit Toben und Schreien oder Ähnlichem ablenken müssen, kann man eindämmen, indem man ihnen gezielt anbietet sich am Ablauf zu beteiligen. So können sie kleine aber verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen wie z.B. zu Beginn das Wasser zur Reinigung zu reichen oder mit Gerste reihum zu gehen. Wie wäre es, wenn die Kinder die Opfergaben in einer Schale oder einem Korb zum leitenden Priester bringen. Schon kleinere Kinder freuen sich, wenn sie mit Rasseln oder kleinen Trommeln die "musikalische Begleitung" bereichern können.
Wichtig für einen angenehmen und entspannten Ablauf, ist es keinen allzu großen Druck auszuüben. Besonders Kinder bis zum Schulalter sollten nicht fix "eingerechnet" werden, sie kennen keine oder kaum Verpflichtungen und möchten vielleicht kurzfristig auf ihre Tätigkeit verzichten und lieber ihre Mutter ablenken. Für diesen Fall empfiehlt es sich unproblematische Alternativen in petto zu haben, sowohl für die Kinder als auch für den flüssigen Ablauf.

> nach oben <

 

Eine Frage der Zeit
 
Zeit ist immer ein wichtiges Thema, wenn es um die Planung eines Festes mit und für Kinder geht, egal ob es sich um das Faschingsfest oder die Dekatê des jüngsten Familienmitgliedes geht.
Einmal geht es um den Zeitpunkt, wann Feiern statt finden. Mit einem schulpflichtigen Kind spät nachts zu einem Fest zu gehen, wenn es am nächsten Morgen wach und fit sein sollte, wird kaum optimal sein. Auch sollte man bedenken, das viele kleine Kinder Mittagsschlaf halten, weshalb Feste zur Mittagszeit auch häufig ungünstig sind. Sollte es aus irgendeinem Grund so sein, dass ein Kind auf seinen Mittagsschlaf verzichten muss(te), dann kann man gleich schon mal von mindestens einem gereizten und quengeligen Teilnehmer ausgehen.
Auch die Dauer der Zeremonie selbst ist zu bedenken. Kein Kind wird die notwendige Geduld mitbringen um stundenlangen Hymnen, womöglich noch in unverständlicher Sprache, zu lauschen. Möchte man sich in der Länge nicht einschränken, so ist es empfehlenswert, wenn sich jemand bereit erklärt sich um die Kinder zu kümmern, sollte einmal Langeweile aufkommen. Die Kinder sollten nicht gezwungen sein an der Feier teil zu nehmen, aber auch für sie sollte ein unterhaltsames "Ersatzprogramm" zur Verfügung stehen, damit sie nicht allzu früh auf den Gedanken kommen, dass religiöse Anläße so viel bedeutet wie Langeweile und sich zurück nehmen müssen. Feste sind zum Feiern da und das machen Kinder halt auf ihre Weise.

> nach oben <

 

Ein Kind kommt selten allein
 
Oder auch: Ein Kind allein macht kein Fest. Im Gegenteil, wenn nur ein Kind unter 10Jahren unter den Gästen ist, dann ist dessen Langeweile beinahe schon vorprogrammiert. Selbst die langweiligste Umgebung, kann in der Gesellschaft anderer Kinder zu einer spannenden Abenteuerreise werden. So ist es günstiger mit Kindern dann an einem Fest teil zu nehmen, wenn man weiß, dass auch andere vor Ort sein würden.
Mit der Anzahl der Kinder steigt häufig auch der Spass derselben, allerdings mitunter auch die Zahl der "Späßchen". Daher ist es günstig, wenn immer ein Erwachsener die Rasselbande im Auge behält. Sollte es seitens des "Veranstalters" keine Aufsichtsperson(en) geben, dann können sich die Eltern ja abwechseln.

> nach oben <

 

Sicher ist sicher
 
Bei allem Spass und Vergnügen sollte stets auch die Sicherheit nicht vernachläßigt werden. Kleinere harmlose Schnittverletzungen oder ein verstauchter Knöchel sind schnell passiert, daher sollte ein Erste Hilfe Set stets zur Hand sein. Mit etwas Ruhe lassen sich erste Schrecksekunden schnell vergessen, einem weinenden Kindern kann Trost geboten und auch dessen Eltern können beruhigt werden.
Wer für sein Fest eine Feuerstelle vorsieht, der sollte auch gleich an ausreichend Löschwasser oder einen Hand-Feuerlöscher denken. Außerdem ist es sinnvoll kühlende Salben gegen leichte Verbrennungen und Insektenstiche griffbereit zu halten. Wenn das Fest im Sommer im Freien statt findet, auch an ein zusätzliches Flascherl Sonnenmilch denken und eventuell auch zusätzlich Baseballmützen mitnehmen. Den meisten Kindern ist die Hitze egal und sie toben nicht nur im Schatten herum.

> nach oben <


Jährliche Anläße

Anthesteria
 

Am Beginn aller Anthesteriafeierlichkeiten folgen wir dem antiken Brauch und schließen sozusagen alle anderen Heiligtümer indem wir unseren Familienaltar und sonstigen kleinen Schreineinrichtungen abdecken und errichten gesondert einen eigenen kleinen Dionysosaltar.
Es ist nicht nur die "zufällige" Terminähnlichkeit, welche dieses Dionysos-Fest geradezu für fasnächtliche Ausgelassenheit prädestiniert. Dionysos ist jener Gott der ausschweifenden Feiern, der als Weingott den Erwachsenen wohl vor allem im Alkohol begegnet. Aus seinem Kult entstand die Kunst der Dramatik, das Theater mit Schauspielern, Masken und Rollen.
Warum also nicht eine "Faschingsparty" für die Kinder mit Geschicklichkeitsspielen wie Wasserlaufen, Luftballontanz oder Ringe werfen. Auch ein Wettrinken, wer hat als erstes eine bestimmte Menge Saft oder Wasser ausgetrunken, wäre ein ganz passender Partywettbewerb. Oder man veranstaltet gleich einen bunten und lauten Umzug durch die Nachbarschaft. Dazu kann man z.B. kleine Karren mit Blumen aus Krepp oder Stoff verzieren. Alle Teilnehmer tragen zumindest Masken, Kindern wollen sich vielleicht komplett kostümieren und wer will führt auch noch eine halbe Kapelle an Percussioninstrumente mit, Rasseln, Schellen, Trommeln und alles, womit man Krach machen kann. Einfache Rasseln und Trommeln lassen sich auch ohne große Mühe selbst basteln. Wer mag kann zu dieser Begleitung dann z.B. das von mir gedichtete Anthesterien-Lied singen (in der Werkstatt bei "Liedern/Tänze").
Die Khoen, das Kannenfest, haben besonders für Kinder im Alter von drei oder vier Jahren eine besondere Bedeutung, da sie zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal voll beteiligt sind, selbst Opfergaben bringen und sogar selbst vom Wein trinken dürfen (in entsprechender Verdünnung, nur zum Kosten, versteht sich!). Zu diesem ersten Khoenfest (siehe unten) erhalten sie auch verschiedene Geschenke.
Wer auch mit Kindern, die ernste Seite des Festes nicht vernachlässigen möchte, kann an den Khytren, dem dritten Tag der Anthesteria der Verstorbenen gedenken, besucht vielleicht gemeinsam das Grab eines Verwandten und bringt diesem ein Trankopfer aus Milch und Honig mit.
Wie auch immer man das Fest gestaltet, ein- oder mehrtägig, so sollte man nicht vergessen Dionysos und die herum ziehenden Geister am (letzten) Abend mit einem gemeinsamen Trankopfer aus der irdischen Welt zu verabschieden. Zum Schluß wird auch das temporäre Dionysosheiligtum wieder abgebaut.

> nach oben <

 

Diasia
 

Das Fest zu Ehren des Zeus Meilikhios steht seit der Antike in Zusammenhang mit Kindern. Es wird wie viele andere Feste eher im familiären Umfeld gefeiert und beinhaltet vor allem Speisenopfer (und tat dies bereits in der Antike). Wie selbstverständlich gehört zum Fest, dass nicht nur der Gott Opfergaben erhält, sondern auch die Jüngsten beschenkt werden.
Wer es lieber traditionell will, sollte vielleicht eher im kleinen familiären Rahmen feiern, aber bitte nicht zu feierlich getragen. Ein Fest des Zeus Meilikhios und der Kinder ist bunt und fröhlich und vermutlich auch laut.

> nach oben <

 

 

Häufigere Anläße

Noumenia
 

Mit Noumenia beginnt direkt nach Neumond der neue Monat im hellenistischen Kalender, welcher in seinen Unterteilungen nämlich ein lunarer Kalender ist. Die Noumenia sind aber nicht nur ein Fest des Mondes, sondern vielmehr ein Fest der (kosmischen) Ordnung. Dies ist auch der Grund warum neben der titanischen Mondgöttin Selene vor allem Apollon (in seinen ordnenden Aspekten) und seine Zwillingsschester Artemis (die olympische Mondgöttin) an diesem Festtag geehrt wird.
Üblicherweise begehen wir die Noumenia als Familientag mit einem besonderen Essen am festlich gedeckten Tisch (siehe dazu den Artikel "Der tägliche und der festliche Tisch"). An prominenter Stelle steht die Noumenia-Kerze (zuerst an Heliou Genethlion entzündet begleitet sie uns durchs ganze Jahr), welche zum Beispiel mit einem einfachen Hestia-Gebet entzündet wird. Je nach Belieben folgt noch die eine oder andere Hymne und wir wünschen uns gegenseitig "Kala Noumenia!" ehe wir zu essen beginnen.

Wenn es der Tag zuläßt, kann man mit den Kindern auch einen Ausflug machen. Hierbei kommen alle Themen und Ziele in Frage, welche im weitesten Sinn Bezug zum Mond oder der kosmischen Ordnung haben, der Besuch eines Planetariums vielleicht. Oder wie wäre es, wenn man sich mit der Kosmogonie beschäftigt oder einfach einen Spaziergang durch die nähere Umgebung macht und Dinge zu entdecken versucht, die einem bislang nie aufgefallen sind (erstaunlich wie wenig wir unsere Nachbarschaft oft kennen, obwohl wir darin täglich rum laufen). Wie wäre es mit einem Spieleabend? Fernseher und Rechner bleiben zur Abwechslung ausgeschaltet, und die Familie trifft sich zu Spiel und Spaß.
Wer mehr Ernst wünscht kann Noumenia auch dazu nutzen, dass einzelne Anliegen der Familienmitglieder besprochen und wichtige Entscheidungen gefällt werden.

> nach oben <

 

Mesomenia
 

Sozusagen als monatlicher Kontrapunkt stehen den Noumenia zur Monatsmitte, also um den Vollmond herum, die Mesomenia gegenüber. Dabei handelt es sich nicht wirklich um antike Feste, sondern eine Innovation von uns selbst.
An den Mesomenien suchen wir insbesondere den Kontakt zu anderen Hellenisten. Ebenso wie bei den Noumenia wird kein großer "Götterdienst" abgehalten. Stattdessen werden in einer einfachen Spondai (Hauptinhalt dieser Ritualstruktur ist das Trankopfer) die Götter geehrt. Welche Gottheiten im Mittelpunkt der jeweiligen Feier stehen, wird vorher vereinbart, folgt also keiner bestimmten Regelung. Nach Wunsch können die einzelnen Teilnehmer auch ihre Bitten an die Götter richten.
Die Mesomenia sind Feste des Austausches. Deshalb sind sie ein guter Zeitpunkt für Symposien.

> nach oben <

 

Hekate-Mahl
 

Hierbei ist nicht wirklich ein Fest im eigentlichen Sinn gemeint, da es sich aber um einen regelmäßigen Ritus handelt möchte ich ihn nicht unerwähnt lassen. Das Hekate-Mahl ist ein Speisenopfer für die Göttin und für die Verstorbenen. Ein guter Teller voll Brot und Früchte wird dazu am letzten Abend des Monats (also vor Noumenia) an einer Kreuzung hinter lassen. Man sollte dazu vielleicht nicht die größte Kreuzung der Ortschaft wählen, sondern eher eine Wegkreuzung an welcher Tiere die Gelegenheit haben das Hekate-Mahl zu verzehren.

> nach oben <


Familienfeste

Dekatê

Willkommen Baby!

 

Bei der Dekatê begrüßen wir ein neues Kind offiziell in unserer Familie und bitten um den Segen der Götter (siehe dazu diesen Text von KHAIRE). Aus diesem Grund steht bereits ein Säugling im Mittelpunkt der Feier und je nachdem wie lange die Geburt her ist, ein Paar junger, möglicherweise gestresster Eltern. Der Ort sollte entsprechend sinnvoll ausgesucht sein, dass man z.B. mit dem Kinderwagen hin fahren kann. Im Sommer aber auch bei Regenwetter ist es günstig, wenn man einen kleinen Pavillon oder Schirm zum Schutz aufgestellt hat. Ein Klappstuhl kann während der Zeremonie nützlich sein, falls das Baby anstatt freudigen Interesses zu zeigen plötzlich lautstark seine nächste Mahlzeit einfordert. Am Günstigsten ist außerdem, wenn zumindest zwei Leute fix dafür zur Verfügung stehen, um sich um das Baby zu kümmern, falls Mama und Papa den Hauptteil der Zeremonie tragen.

Impressionen von Kilians Dekate

Die Dekatê unseres Sohnes haben wir am 30. Mai 2004 in Wien gefeiert und die unserer Tochter Helena am 30. Juni 2007 in Tirol. Hier gibt es eine Slideshow mit Fotos von Helenas Feier.

> nach oben <

 

1. Khoenfest

Wenn Kinder groß werden

 

Irgendwann einmal kommt der Tag, da bemerkt man, dass das eigene Baby eben kein Baby mehr ist, sondern „plötzlich“ zu einem größtenteils selbständigen (Klein-)Kind heran gereift ist. Längst braucht es nicht mehr herum getragen werden, sondern läuft alleine, wohin auch immer es möchte, selbst wenn das einmal nicht in Mamas Sinn ist. Die Windeln sind auch schon überflüssig geworden und an Mamas Brust wird mittlerweile nur mehr gekuschelt, nachdem sich das Repertoire an genehmigten Nahrungsmitteln stark vergrößert hat. Aus dem Gebrabbel, wurden Wörter und manche Kinder erreichen in ihrem vierten Lebensjahr eine Entwicklungsstufe, in welcher sie sich regelrechte Epen aus den Fingern saugen. Spätestens in diesem Alter entdecken Kinder, dass es eben mehr gibt, als sie selbst oder ihre Familie und es scheint als stünde ihnen die gesamte

Bekränzte Khoenkanne

bunte Welt zur Entdeckung offen. Neben einer sozialen Orientierung, der Hinwendung zu anderen Menschen, beginnt hier meist auch das greifbare Interesse an Religion und dem Umgang mit den Göttern.

Es überrascht kaum, dass diese einschneidenden Entwicklungen bereits in der Antike nach außen getragen wurden, nämlich in Form der ersten Teilnahme an den Khoen. Nicht nur symbolisch tritt das Kind, welches bislang regelrecht zur Mutter gehörte, nun aus ihrem Schatten heraus. Es beteiligt sich selbst am Opfer und trinkt vermutlich zum ersten Mal vom Wein, dessen Gott Dionysos im Mittelpunkt der Anthesteria-Feierlichkeiten steht, zu welchen eben auch die Khoen gehören. Mit den ersten Khoen ist der Beginn einer gänzlich neuen Lebensphase des jungen Menschen markiert. Vervollständigt wurde dies durch eine Eintragung in die Phratria. Es handelt sich also um eine ähnlich offizielle Festlichkeit wie z.B. die Ehe, welche damals wie heute (standesamtlich oder z.B. im Kirchenbuch) vermerkt wird.


Temporärer Dionysosschrein

Doch warum ist es ausgerechnet dieses Fest, an welchem das Kind in den Kreis der kultisch opfernden Gemeinde aufgenommen wird? Ich sehe hier durchaus einen Zusammenhang zur Öffnung und Verkostung des jungen Weins. Dieser kommt aus einer Ruhephase, in welcher er zum erwachsenen, würdigen Getränk heranreifen konnte. Ganz ähnlich ist es auch mit den Kindern. Diese wuchsen bislang eher im Verborgenen, fast schon als „Bestandteil“ ihrer Mutter auf, und kommen jetzt sozusagen ans Licht um ihre Qualität als vollwertiges, eigenständiges Mitglied der Gemeinschaft zu zeigen. In der Antike mag diese Trennung in welcher die Kinder ihre ersten Lebensjahre überwiegend im einem eigenen Abschnitt des elterlichen Hauses, an der Seite der weiblichen Haushaltsmitglieder verbracht haben, wohl stärker ersichtlich
gewesen sein. Aber auch heute ist bei uns mit dem Alter von 3 Jahren ein Punkt erreicht in welchem unsere Gesellschaft eine Fremdbetreuung und Sozialisation des Kindes ernsthaft andenkt. Dies ist daran ersichtlich, dass hier die Altersgruppe für den Kindergarten beginnt, eine Einrichtung zu dessen Besuch unsere Kinder im Gegensatz zur Schule zwar nicht verpflichtet sind, der allerdings eben nicht nur aus betreuungstechnischen Gründen durchaus empfohlen wird. Es ist die Rede von dem Erlernen des Umgangs mit anderen Kindern und auch außerfamiliärer Betreuungspersonen. Letztendlich zielt hier bereits alles auf eine Vorbereitung auf unser Schulwesen ab, welches – alle Vor- und Nachteile einmal unbesehen – einen wichtigen Bestandteil zur Bildung und Erziehung unserer Kinder zu einem selbstständigen, mündigen Leben als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft darstellet (oder darstellen sollte).

Wir erleben bei einem Kind dieses Alters also eine zweite Abnablung, in welcher es selbstständig einen mehr oder weniger für ihn vorgezeichneten Lebensweg betritt. Kinder dieses Alters fangen auch damit an systematisch zu lernen und es ist der ideale Zeitpunkt um im Kleinen mit ersten Hobbys zu beginnen, ein Instrument zu erlernen oder auf regelmäßiger Basis eine Sportart auszuüben, je nach Interessen des einzelnen Kindes, versteht sich.


Der richtige Zeitpunkt
 

Wir wissen zwar relativ viel über die Anthesteria und die Bedeutung der ersten Teilnahme an den Khoen, es ist aber nicht zwingend notwendig, den antiken Vorgaben sklavisch zu folgen. Wer der Meinung ist, dass 3- oder 4-Jährige noch zu klein für ein Bekenntnis dieses Ausmaßes sind, der kann seine Kinder ja auch erst später oder gänzlich auf ihren eigenen Wunsch hin an eine solche Feierlichkeit heran führen. Uns persönlich kommt dieses Fest jedenfalls sehr entgegen, da es ziemlich genau dem entspricht, was wir uns auch vor dessen Kenntnis vorgestellt haben. Wir erlebten in genau diesem Alter einen Wandel an unserem Sohn, eine Hinwendung zu Anderen und auch zu den Göttern, die wir gerne unterstützen und feiern wollten. Dies haben wir im kleinen Kreis auch am 16. Februar 2008 getan und kann hier (Link: Archiv-Artikel Nr.) nachgelesen werden.


Hier geht es zum automatischen Fotoalbum
von Kilians Khoenfeier 2008
(25 Fotos)


Vorbereitung
 

Da die Kinder an ihrem ersten Khoenfest selbst am Kult teilnehmen, sollte man sie nicht einfach ins kalte Wasser schmeißen, sondern eine entsprechende Vorbereitungszeit einplanen. Je nachdem wie intensiv das Kind zuvor am religiösen Leben der Eltern teilhatte, sollte man spätestens ein halbes Jahr vor dem Fest damit beginnen, religiöse Thematiken mit dem Kind zu erarbeiten. Es geht nicht um die theologischen Tiefen und Spitzfindigkeiten der persönlichen Glaubenssicht, sondern um ein Kennen lernen der Götter und vor allem der Handlungen durch die wir mit ihnen in Kontakt treten. Wer sind diese Götter? In welcher Beziehung stehen wir zu ihnen? Was bedeutet es zu beten und was ist ein Opfer?
Da es sich bei den Anthesteria um ein Weinfest handelt, sollte man vielleicht auch die Thematik von Wein und Alkohol generell behandeln und darauf hinweisen, dass es sich dabei um etwas Besonderes handelt, etwas Heiliges. Dabei kann man ruhig auch die Gefahren anklingen lassen, welche zu hoher oder zu häufiger Alkoholkonsum nach sich ziehen. Gerade heutzutage liest man immer wieder von jugendlichem Komasaufen, eine Entgleisung des Gebrauchs von Alkohol, welche absolut entbehrlich ist. Unser Sohn hat z.B. in dieser Hinsicht den Mythos von Ikarios und Erigone ganz erstaunlich verarbeitet.
Übrigens war es auch dieser Mythos, den er in einer sehr komprimierten Version im Zuge seines Khoenfestes selbst vorgetragen hat. Womit wir übrigens auch schon bei einem zweiten Punkt angelangt sind, der die Vorbereitung des Khoenfestes betrifft: die Einbindung des Kindes bzw. der Kinder in den Ablauf des Festes. Der eigentliche Hauptteil ist ja, dass sie selbst opfern und vom Wein trinken. Abgesehen davon können sie sich aber auch durch unterschiedliche Tätigkeiten in der Vorbereitung des Feste (Stichwort: Dekoration) und auch während dessen Ablaufes einbringen. Kilian hat wie gesagt den oben erwähnten Text des Mythos vorgetragen, aber die Möglichkeiten sind zahlreich und sollten auf die Interessen und Talente des einzelnen Khoenkindes abgestimmt sein. Wichtig bei dieser Einbindung ist vor allen Dingen, dass dem Kind klar wird dass es selbst seinen Teil zum Gelingen der Feier beiträgt und somit auch einen Teil Verantwortung übernimmt.


Ikariosmythos als Kindertext für das Fest
 

 

Pandíon basíle-us athänas
Als Pandion König von Athen war

hüpedéxato Diónüson de Ikários
nahm Ikarios den Dionysos bei sich auf

hos lambáne-i parautou kläma ampélou
er erhielt von ihm eine Rebe vom Weinstock

kai ta peri tän oinopoiian mantháne-i
und lernte, Wein zu machen.

kai tas tou theou doräsasthai thélon kháritas anthropois
Und er wollte den Menschen die Gabe des Gottes bringen.

ge-usámenoi pepharmákhthai nomizontes apékte-inan autón
Nachdem sie gekostet hatten, glaubten sie, er wolle sie verzaubern, und töteten ihn.

Ärigónä de tä thügatri ton patéra ane-uriiskei
Seine Tochter Erigone fand den Vater

kake-inä katodüraménä ton patéra heautän anärtäse
sie beweinte den Vater und erhängte sich.


Geschenke
 

Ihre erste Teilnahme an den Khoen war für die Kinder von damals nicht nur eine Förmlichkeit oder Pflichtübung. Vermutlich wurde dieser Anlass, insbesondere bei Knaben auch in der Familie entsprechend gewürdigt und gefeiert. So wissen wir z.B., dass die Kinder für die Zeremonie nicht nur mit Blumen bekränzt wurden, sondern auch Geschenke erhielten. Das vordringlichste Geschenk ist hierbei eine verkleinerte Version der Khoenkannen der Erwachsenen. Dieses war meist mit bildhaften Darstellungen aus dem Kinderleben und den Anthesteriafeierlichkeiten geschmückt.


Das zentrale Geschenk ist und bleibt dieses Khoenkännchen auch heute. Ob aus Keramik oder Glas, bunt bemalt oder schlicht und einfach, bleibt jedem selbst überlassen. Wer mag gestaltet es sich selbst oder ersteht ein besonderes Stück. In jedem Fall ist das Kännchen nicht (nur) kultischer Gebrauchsgegenstand, sondern vielmehr eine symbolische Gabe diesem besonderen Anlass entsprechend. Man gibt dem Kind damit auch einen Segen mit auf seinen Weg. Zumindest vermutet dies die Altertumsforschung, welche vor allem die große Zahl der erhaltenen, antiken Khoen aufgrund ihrer Motive entsprechend deutet. So haben auch wir für unseren Sohn zu seinem ersten Khoenfest ein kleines Kännchen bei

Kindertisch zu Kilians Khoenfest

einem hiesigen Töpfer erstanden, welches ich durch eine goldene Aufschrift noch personalisiert habe. Es soll Kilian immer an diesen besonderen Tag erinnern.

Die Motive antiker Khoen erzählen uns aber auch von weiteren Geschenken, welche die Kinder an ihrem ersten Khoenfest erhielten. So wird zumeist ein mit Blumen und Früchten geschmückter Kindertisch gezeigt. Häufig taucht auf den Darstellungen neben diesen Spielsachen auch noch ein Hahn oder andere Tiere auf, von denen man durchaus annehmen darf, dass sie lebende „Geschenke“ waren. Dieser lebendige Spielkamerad in Form eines Haustieres kann auch für heutige Kinder, besonders wenn es sich um Einzelkinder handelt, zu ihrem Khoenfest ein wunderbares Geschenk sein, was allerdings wohlüberlegt sein sollte.