Fragen und Sorgen der Kinder

Immer wieder kommen Kinder zu ihren Eltern um sich die Welt erklären zu lassen. Die meisten Themen lassen sich entweder aus der (naturwissenschaftlichen) Vorbildung der Eltern oder zumindest gemeinsam mit Hilfe von Sachbüchern für Kinder halbwegs verständlich klären. Wie reagiert man aber, wenn die Fragen in den schwierigeren Bereich des "Warum?" und zu existenzielle Themen vordringen? Meistens "erwischen" uns Kinder mit einfach klingenden, tatsächlich aber recht schwierigen Fragen, ziemlich unvorbereitet. Kinder fragen Dinge, die uns vielleicht gar nicht (mehr) einfallen würden, also was sollen wir, ohne lange zu grübeln auf solche Fragen antworten? Denn eines ist klar, Kinder "müssen" fragen und sie verdienen auch eine Antwort. Am besten wir überlegen uns bereits möglichst früh, wie wir mit Fragen oder Ängsten unserer Kinder einmal umgehen werden. Spätestens die "Warum?"-Phase unserer Kinder ist auch für uns selbst eine großartige Gelegenheit unsere eigenen Handlungsweisen zu hinterfragen und uns bewußter mit bestimmten Thematiken auseinander zu setzen.

Im Lichte des antiken Denkens können auch heute noch auf moderne und offene Art und Weise Themen und Fragen für Kinder bearbeitet werden, ganz ohne dass man Störche erfinden müsste, die Babys bringen oder dergleichen. Es ist auch eine ausgezeichnete Gelegenheit uns selbst im antiken Denken zu üben. Also seid stolz darauf, dass Kinder fragen und fördert ihre Neugierde und ihren Wissensdurst. Auch das gemeinsame erörtern "philosophischer" Thematiken kann für Kind und Eltern eine wunderbare Übung sein um in unserer schnelllebigen Zeit flexibel im Geist zu sein und stets für neue Ideen offen zu bleiben.

Für einige Fragen und Themen habe ich hier Anregungen und mögliche Antworten zusammen getragen, aber natürlich kann so eine Seite niemals auch nur annähernd vollständig sein. Aus diesem Grund würde ich mich freuen, wenn auch du mir die eine oder andere "Kinderfrage" via E-Mail zukommen lassen könntest, damit wir uns damit auseinander setzen können:


Götter und Helden:

Wo sind die Götter?
Kann ich die Götter treffen?
Was sind Halbgötter?
Gibt es auch heute Helden/Halbgötter?
Bekommen Götter auch Kinder? bzw. Haben Götter eine Familie?

Zum Kult:

Was ist "opfern"?
Darf ich für Süßigkeiten beten?

Leben und Tod:

(noch zu ergänzen)

Philosophieren mit Kindern:

(noch zu ergänzen)

Ängste und Sorgen:

Monster unter dem Bett
Von Angsthasen und kleinen Helden

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Götter und Helden

Die Götter sind der zentrale Inhalt unseres Glaubens schlechthin. Nicht nur die Anerkennung ihrer bloßen Existenz, sondern auch wie wir sie sehen und erleben und wie wir ihnen im Kult aber auch im sonstigen Alltagsleben begegnen sind Themen, welche wir unseren Kindern nahe bringen, bzw. diese bei Interesse selbst bei uns zu erfragen suchen.

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Wo sind die Götter?
 

Eine Falle wäre es mit einem schlichten "Überall!" zu antworten, auch wenn es beim ersten Hinhören durchaus stimmen mag. Da wir die Götter allerdings nicht grundsätzlich als "allgegenwärtig" betrachten, könnte eine solch kurze Antwort zu Missverständnissen führen. Als uns Sohnemann (knapp 4 Jahre alt) neulich diese Frage stellte, antworteten wir nach kurzem Überlegen wie folgt:
"Die Götter können überall sein, wo sie sein möchten. Und auch wir können sie an den verschiedensten Orten treffen. Wo die einzelnen Götter die meiste Zeit verbringen können wir nur ahnen."

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Kann ich die Götter treffen?
 

"Ja, manchmal begegnen wir den Göttern sogar persönlich. Das geschieht allerdings meistens nicht, wenn wir es wollen, sondern dann, wenn es denn Göttern gefällt. Manchmal kommen sie auch im Traum zu uns. Und wenn sie zu uns kommen, dann haben sie uns häufig auch etwas Bestimmtes mit zu teilen.
Man kann einen Gott natürlich auch im Gebet um ein Treffen bitten, ob dieser einem den Wunsch aber erfüllt, liegt ganz an der jeweiligen Gottheit.
Man sollte sich aber gut überlegen ob und wenn ja welche Gottheit man treffen möchte. Manche dieser Begegnungen sind nämlich alles andere als bequem oder angenehm."

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Zum Kult

Im Gebet und anderem kultischen Umfeld kann es immer wieder zu Situationen kommen, in denen Kinder Fragen stellen müssen. Oder wir merken einfach an ihrem Handeln, dass sie andere, deswegen aber nicht gleich falsche, Vorstellungen von dem haben, was geschieht oder getan wird, als wir sie haben.

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Was ist "opfern"?
 

Zu den wirklich grundlegenden Fragen gehört auch diese: Was ist "opfern"?
"Opfern ist, wenn wir einem Gott (den Göttern) etwas von uns geben."

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Darf ich für Süßigkeiten beten?
 

Neulich bei einem Fest durften alle Teilnehmer einzeln ihre Opfergaben begleitet von ihren Wünschen ins rituelle Feuer werfen, so auch die Kinder. Während die Erwachsenen meist Nichts sagten oder leise vor sich hin murmelten, war es für unseren vierjährigen Sohn ganz normal seinen Wunsch laut auszusprechen: "Für gute Nuller(=0%)-Säfte!" (1) Damit hat er ganz pragmatisch um etwas gebeten, das er jeden Tag "braucht", aber vor allem etwas, das er mag. Das hat nichts mit der Bitte um so abstrakte Dinge wie Glück, Gesundheit, Spass oder gar Frieden zu tun, was man in solchen Situationen meist erwarten würde. Es war auch nicht die selbstlose Bitte für einen anderen, wie es jemandem mit überwiegend christlicher Prägung "richtig" erscheinen würde. Einerseits hat er um etwas gebeten, das er benötigt, so als hätte er für Wasser gebetet. Allerdings hat er nicht um genug Nuller-Säfte, sondern um gute gebeten. Es hätte kaum einen Unterschied gemacht, wenn er für Süßigkeiten oder ein Spielzeug geopfert hätte. Auch wenn es für ihn nicht notwendig war die Frage zu stellen, möchte ich dies tun: "Darf ich für Süßigkeiten oder ein Spielzeug beten?"
Die Antwort kann einfach "Ja!" lauten, oder auch "Ja, du darfst für alles beten, was du wirklich möchtest." Wir treten den Göttern wie Freunden oder Verwandten gegenüber und gehen von einer freundschaftlichen Beziehung aus, in der wir um alles bitten können, was wir möchten, ohne dass die Götter uns zürnen. Das können ganz praktische Dinge sein, die wir brauchen, egal ob es sich nun um Süßigkeiten, eine neue Wohnung oder einfach Geld handelt. Es ist auch nicht wichtig, ob der Inhalt unserer Bitte sozusagen lebensnotwendig ist, oder wir ihn einfach nur sehr gerne möchten. Wir brauchen uns unserer Wünsche nicht schämen. Und ob die Götter sie uns erfüllen können und wollen, liegt sowieso in ihrer Hand, aber wie es so schön heißt "Fragen kostet nichts!"
Allerdings möchte ich hinzu fügen, dass auch dieses Ja, ein Aber kennt. Dieses Aber liegt vor allem in der Quantität. Wir geben unserem Sohn gerne mal ein Eis, wenn er uns darum bittet. Wenn er nun jeden Tag nach einem Eis fragt, vergeht uns mit der Zeit die Freude daran ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Irgendwann sind wir nur mehr genervt von der Fragerei und hören gar nicht mehr hin. Und da wir nicht wollen, dass die Götter uns irgendwann nicht mehr zuhören, sollten wir sie nicht bei jeder Gelegenheit mit unseren Kleinigkeiten belästigen. Und so sollten wir das auch unseren Kindern erklären und am besten vorleben.

"Ja es ist in Ordnung für Dinge zu beten, die man sehr gerne haben möchte. Das können auch ruhig einmal Spielsachen oder Süßigkeiten sein. Wir sollten die Götter aber nicht jeden Morgen mit den selben Sachen nerven. Also lieber einmal um etwas bitten, das man besonders gerne möchte, als ständig für irgendwelchen Kleinkram beten."

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(1) Als Diabetiker darf er aufgrund ihres Zuckergehaltes keine normalen Verdünungssäfte trinken. Ein Hersteller produziert bei uns aber auch verschiedene Sorten von zuckerreduzierten Sirupen, die auch unser Sohn haben darf und hauptsächlich konsumiert. Diese sind mit einem großen "0%" beschriftet, also "Nuller"-Säfte

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Leben und Tod

allgemeiner Text zum Einstieg

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Mit Kindern philosophieren

allgemeiner Text zum Einstieg

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Ängste und Sorgen

Monster unter dem Bett o.ä.
 

So gut wie alle Eltern kennen das: wenn sie abends im Wohnzimmer sitzen oder gar selbst schon im Bett liegen, pflanzt sich plötzlich ihr Kind mit ängstlicher Miene vor ihnen auf und erklärt, dass es nicht schlafen könne, da sich in seinem Zimmer bzw. unter seinem Bett o.ä. ein Monster befinde.
Es hat keinen Sinn dem Kind zu sagen, dass es "keine Monster" gibt, denn meist fühlt es sich tatsächlich bedroht, wofür die Ursachen aber vielfältig sein können. Es sollte selbstverständlich sein, dass man mit dieser Angst des Kindes ernsthaft umgeht.

Zuerst wird man dem Kind wohl anbieten, gemeinsam mit ihm nach zu sehen. Manchmal kommt man so drauf, dass es der Umriss oder Schatten eines völlig harmlosen Gegenstandes war, der im Halbdunkel zum gefährlichen Monster mutierte und so läßt sich durch ein Nachtlicht oder die gemeinsame, genaue Betrachtung des Gegenstandes die Furcht schnell wieder los werden.
Mitunter fürchten sich Kinder aber auch vor scheinbar unsichtbaren Monstern.
Egal ob wir nun an die Existenz eines unsichtbaren Lebeweses glauben oder nicht, so sollten wir dieses in jedem Fall trotzdem ernst nehmen. Ob wir es sehen oder nicht, ob es real ist oder auch nicht, unser Kind fürchtet sich und wünscht sich Hilfe.
Warum nicht gemeinsam mit dem Kind auf das "Monster" zugehen. Man könnte es fragen ob es ein liebes oder ein böses Monster ist, ob es hier wohnt oder ob es sich verlaufen hat, ob es unser Freund sein möchte und so weiter. Durch unser Kind erhalten wir dann die Antworten und können weiter fragen. Vielleicht können wir das Monster bitten zu gehen, vielleicht richten wir ihm ein eigenes kleines Bett her, damit es nicht direkt bei unserem Kind schlafen muss oder wir bieten ihm unsere Hilfe an, nach Hause zu finden. Sollte sich durch die Antworten unseres Kindes heraus stellen, dass es sich doch um ein böses Monster handelt, das uns ärgern oder erschrecken möchte und nicht vor hat ab zu ziehen, dann können wir ja zu den Waffen greifen z.B. dem "Anti-Monster-Spray" (eine Sprühflasche gefüllt mit Wasser, dem etwas Aromaöl "Zitrone" beigefügt wurde), einem Pappschwert, das wir selbst mit dem Kind für diesen Zweck angefertigt haben oder etwas Ähnlichem. Möglicherweise weiß unser Kind am besten, womit wir das Monster los werden können. Vielleicht traut es sich mit unserer Unterstützung ja sogar selbst, das böse Monster zur Tür oder zum Fenster hinaus zu jagen.

So lernt das Kind, dass Fremdes uns erschrecken kann, aber nicht immer böse sein muss (-> Monster ist eigentlich lieb oder möchte sogar unser Freund sein). In de rhellenisschen Sichtweise wird der "Fremde" zuerst einmal als potenzieller Freund betrachtet udn entsprechend behandelt. Nicht umsonst nimmt die Xenia (=Gastfreundschaft) eine so wichtige Stellung ein. Erst aufgrund seines Verhaltens kann es sein, dass der Gast dann doch als Bedrohung/Feind eingestuft wird. So gilt auch entsprechend, dass wenn das Kind darauf beharrt, dass das Monster gemein ist, dieses entsprechend "behandelt" wird. Das Kind lernt sich und seinen Platz zu verteidigen, wenn es möglich und notwendig ist, denn es braucht sich nicht von jeder Bedrohung einschüchtern zu lassen und kann mutig sein.
Die wichtigste "Lektion" ist aber, wie so oft, dass das Kind seinen Eltern bzw. dem jeweiligen Erwachsenen vertrauen kann, dass diese/r Verständnis für seine Sorgen und Ängste hat, ihn ernst nimmt und ihm in jedem Fall zur Seite steht.

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Von Angsthasen und kleinen Helden
 

Kinder erleben sich häufig klein im Vergleich zur großen Welt. Vielerlei Dinge können bedrohlich sein oder Anlaß zur Furcht. Meist sind wir es auch als Eltern, die furchtsames Verhalten unbewußt fördern, wenn wir bemerken, dass unser Kind etwas beginnt, was durchaus riskant sein könnte und diese Handlung unterbinden, "bevor etwas passieren kann". So nehmen wir unseren Kindern häufig die Gelegenheit heraus zu finden, ob sie dieses oder jenes geschafft hätten und was passiert wäre, wenn nicht. Als Eltern ist bereits an uns, danach Situationen ein zu schätzen, ob sie dazu geeignet sind von unseren Kindern selbst erprobt zu werden oder ob sie tatsächlich zu gefährlich sind. Reagieren wir selbst allzu ängstlich, dann werden auch unsere Kinder ängstlich. Auch wenn mal etwas passiert, das Kind sich verletzt, kann es aus unserer Reaktion heraus die Erfahrung als Grundlage neuer Ängste und Vermeidungsstrategien anlegen oder als Ansporn etwas so lange zu versuchen, bis es gelingt. Überängstliche Reaktionen oder Überbehütung können Furcht und Angst in unseren Kindern unnötig schüren. An die Grenzen getriebener Mut und das Ausprobieren jedes nur erdenklichen Blödsinns, kann aber ebenso schlimme Folgen haben.
Wir Eltern müssen das rechte Maß dessen finden, was erprobt und so lange versucht werden kann, bis es funktioniert. Darüber hinaus sind es häufig gescheiterte Versuche, die ideal dazu sind zu lernen mit Ängsten entsprechend um zu gehen. Das ist es auch, was die Helden unserer Mythologie ausmacht. Sie wissen mit ihrer Furcht bei Bedrohungen um zu gehen und schätzen Situationen dahingehend ein, ob der Furcht z.B. mit Rückzug nachgegeben werden muss, oder man angesichts des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten der Gefahr mutig entgegen treten kann, immer bereit sich und das, was einem wichtig ist, zu verteidigen.

Angst und Furcht sind meist berechtigte Empfindungen, welche dem Menschen helfen, seine Umgebung einzuschätzen und nicht auf naive Weise ständig fröhlich in jedes offene Messer zu laufen. Ängste schützen uns, können uns aber auch blockieren und dadurch selbst zur Gefahr werden. Daher ist es wichtig für unsere Kinder so früh als möglich einen sinnvollen Umgang mit ihren Ängsten zu erlernen. Mutig zu sein, bedeutet nicht keine Ängste zu haben, sondern sich diese zum Verbündeten zu machen oder zu wissen, wann man sich ihnen entgegen stellen muss. Der richtige Umgang mit Ängsten von uns und unseren Kindern, läßt sie zu selbstsicheren Menschen werden, die ihre Grenzen kennen. Weder ist ihnen geholfen, wenn sie ängstliche "Muttersöhnchen" noch todesmutige Draufgänger werden. Meden agan (= Nichts zu viel bzw. Alles in Maßen). Wie so oft, liegt das Ideal in der Mitte. So werden auch unsere Kinder zu kleinen Helden, die Gefahren einschätzen und ihren Standpunkt selbstsicher vertreten können, ohne sich ihren oder unseren Ängsten unter zu ordnen.