| Familienfest: Die ersten Khoen |
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Irgendwann einmal kommt der Tag, da bemerkt man, dass das eigene Baby eben kein Baby mehr ist, sondern „plötzlich“ zu einem größtenteils selbständigen (Klein-)Kind heran gereift ist. Längst braucht es nicht mehr herum getragen werden, sondern läuft alleine, wohin auch immer es möchte, selbst wenn das einmal nicht in Mamas Sinn ist. Die Windeln sind auch schon überflüssig geworden und an Mamas Brust wird mittlerweile nur mehr gekuschelt, nachdem sich das Repertoire an genehmigten Nahrungsmitteln stark vergrößert hat. Aus dem Gebrabbel, wurden Wörter und manche Kinder erreichen in ihrem vierten Lebensjahr eine Entwicklungsstufe, in welcher sie sich regelrechte Epen aus den Fingern saugen. Spätestens in diesem Alter entdecken Kinder, dass es eben mehr gibt, als sie selbst oder ihre Familie und es scheint als stünde ihnen die gesamte bunte Welt zur Entdeckung offen. Neben einer sozialen Orientierung, der Hinwendung |
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zu anderen
Menschen, beginnt hier meist auch das greifbare Interesse an
Religion und dem Umgang mit den Göttern. Doch warum ist es ausgerechnet dieses Fest, an welchem das Kind in den Kreis der kultisch opfernden Gemeinde aufgenommen wird? Ich sehe hier durchaus einen Zusammenhang zur Öffnung und Verkostung des jungen Weins. Dieser kommt aus einer Ruhephase, in welcher er zum erwachsenen, würdigen Getränk heranreifen konnte. Ganz ähnlich ist es auch mit den Kindern. Diese wuchsen bislang eher im Verborgenen, fast schon als „Bestandteil“ ihrer Mutter auf, und kommen jetzt sozusagen ans Licht um ihre Qualität als vollwertiges, eigenständiges Mitglied der Gemeinschaft zu zeigen. In der Antike mag diese Trennung in welcher die Kinder ihre ersten Lebensjahre überwiegend im einem eigenen Abschnitt des elterlichen Hauses, an der Seite der weiblichen Haushaltsmitglieder verbracht haben, wohl stärker ersichtlich gewesen sein. |
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Aber
auch heute ist bei uns mit dem Alter von 3 Jahren ein Punkt erreicht
in welchem die Öffentlichkeit eine Fremdbetreuung und Sozialisation
des Kindes ernsthaft andenkt. Dies ist daran ersichtlich, dass hier
die Altersgruppe für den Kindergarten beginnt, eine Einrichtung
zu dessen Besuch unsere Kinder im Gegensatz zur Schule zwar nicht
verpflichtet sind, der allerdings eben nicht nur aus betreuungstechnischen
Gründen durchaus empfohlen wird. Es ist die Rede von dem Erlernen
des Umgangs mit anderen Kindern und auch außerfamiliärer
Betreuungspersonen. Letztendlich zielt hier bereits alles auf eine
Vorbereitung auf unser Schulwesen ab, welches – alle Vor- und
Nachteile einmal unbesehen – einen wichtigen Bestandteil zur
Bildung und Erziehung unserer Kinder zu einem selbstständigen,
mündigen Leben als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft darstellet
(oder darstellen sollte).
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Wir
erleben bei einem Kind dieses Alters also eine zweite Abnablung,
in welcher es selbstständig einen mehr oder weniger für
ihn vorgezeichneten Lebensweg betritt. Kinder dieses Alters fangen
auch damit an systematisch zu lernen und es ist der ideale Zeitpunkt
um im Kleinen mit ersten Hobbys zu beginnen, ein Instrument zu erlernen
oder auf regelmäßiger Basis eine Sportart auszuüben,
je nach Interessen des einzelnen Kindes, versteht sich.
Ihre
erste Teilnahme an den Khoen war für die Kinder von damals
nicht nur eine Förmlichkeit oder eine Pflichtübung. Vermutlich
wurde dieser Anlass, insbesondere bei Knaben auch in der Familie
entsprechend gewürdigt und gefeiert. So wissen wir z.B., dass
die Kinder für die Zeremonie nicht nur mit Blumen bekränzt
wurden, sondern auch Geschenke erhielten. Das vordringlichste Geschenk
ist hierbei eine verkleinerte Version der Khoenkannen der Erwachsenen.
Dieses war meist mit bildhaften Darstellungen aus dem Kinderleben
und den Anthesteriafeierlichkeiten geschmückt. Die
Motive antiker Khoen erzählen uns aber auch von weiteren Geschenken,
welche die Kinder an ihrem ersten Khoenfest erhielten. So wird
zumeist ein mit Blumen und Früchten geschmückter Kindertisch
gezeigt. Wie es scheint war es auch nicht unüblich den Kindern
kleine Wägelchen zu schenken, entweder zum Nachziehen und
Transport von kleinen Gegenständen oder gar kleine Wagen,
in welchen die Kinder selbst von anderen Kindern oder einem Hund
gezogen werden konnten. Häufig taucht auf den Darstellungen neben diesen Spielsachen auch noch ein Hahn oder andere Tiere auf, von denen man durchaus annehmen darf, dass sie lebende „Geschenke“ waren. Dieser lebendige Spielkamerad in Form eines Haustieres kann auch für heutige Kinder, besonders wenn es sich um Einzelkinder handelt, zu ihrem Khoenfest ein wunderbares Geschenk sein. Wer sich tatsächlich ein Haustier zulegen möchte, sollte sich dies aber zuvor ausführlich und gut überlegen, und am Besten auch mit dem Kind gemeinsam besprechen. Als Eltern muss man sich außerdem darüber im Klaren sein, dass jedes Haustier Pflege und gegebenenfalls medizinische Versorgung, also sowohl Zeit als auch Geld, benötigt und auch wenn Kinder sich beim Füttern usw. beteiligen, so liegt die Hauptarbeit und Verantwortung in jedem Fall bei den Eltern. Bevor es zu einem menschlichen und/oder tierischen Drama kommt, ist es ratsam dem Kind nicht einfach ein Tier, womöglich noch mit Schleifchen als Geschenk verpackt, vorzusetzen. Günstiger ist es, mit dem Kind gemeinsam zu entscheiden, vielleicht zuerst gemeinsam ein Buch über die Haltung von Haustieren und der gewünschten Art im Speziellen zu lesen und alle notwendigen Anschaffungen (z.B. Futter, Käfig für ein Nagetier, Aquarium, o.ä.) vorher zu tätigen. Nicht zuletzt möchte ich bei dieser Gelegenheit daran erinnern, dass bestimmt auch in einem Tierheim in Ihrer Nähe Tiere auf eine „zweite Chance“ und ein liebevolles Zuhause warten, welches Sie vielleicht bieten möchten, das gilt nicht nur für Hunde und Katzen, sondern auch verschiedenste andere Kleintiere. Wir selbst haben uns vorläufig gegen ein Haustier entschieden, da wir einfach nicht die passenden Möglichkeiten dafür haben. Und auch die zweite Wahl – eine Zimmerpflanze – lässt sich in unserer dunklen Wohnung kaum realisieren. Für Kilian sehe ich aber auch gar nicht unbedingt die Notwendigkeit eines lebendigen Geschenkes, da er in seiner kleinen Schwester bereits jemanden hat, den er mit versorgen kann. Und er ist auch ein sehr verantwortungsbewusster und großherziger Bruder insbesondere in Anbetracht seines Alters. Zum Schluss möchte ich noch hinzufügen, dass wir zwar relativ viel über die Anthesteria und die Bedeutung der ersten Teilnahme an den Khoen wissen, dass es aber nicht zwingend notwendig ist, dessen Vorgaben sklavisch zu befolgen. Wer findet, dass 3- oder 4-Jährige noch zu klein für ein Bekenntnis dieses Ausmaßes sind, der kann seine Kinder ja auch erst später oder gänzlich auf ihren eigenen Wunsch hin an eine solche Feierlichkeit heran führen. Uns persönlich kommt dieses Fest jedenfalls sehr entgegen, da es ziemlich genau dem entspricht, was wir uns auch vor dessen Kenntnis vorgestellt haben. Wir erleben einen Wandel an unserem Sohn, eine Hinwendung zu Anderen und auch zu den Göttern, die wir gerne unterstützen und feiern möchten und genau so wollen und werden wir es am 16. Februar dieses Jahres tun. Jeder der möchte ist herzlich dazu eingeladen uns Gesellschaft zu leisten oder unserem Sohn seine Glückwünsche auszusprechen. |
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