| So war’s: Römerfest in der Augusta Raurica |
Dass wir als Hellenisten geschichtlich interessiert sind, insbesondere natürlich an der europäischen Antike, brauche ich wohl kaum lang und breit zu erklären. Selbstverständlich fänden wir es schön, dieses Interesse auch bei unseren Kindern wecken zu können. Zumindest möchten wir ihnen Achtung vermitteln vor dem was einmal war, was einem in diesem archäologischen Entwicklungsland (1) in dem wir wohnen, nicht gerade leicht gemacht wird. Bücher und Erzählungen sind zwar schön und gut, aber gerade Kinder sprechen eher auf einen direkteren Kontakt an, wozu allerdings die Besuche „langweiliger“ Ausstellungen im Museum nur selten zählen. So kommt es uns zu Gute, dass die Reenactment-Szene in den letzten Jahren ziemlich angewachsen ist und die boomenden historischen Feste immer mehr an Qualität gewinnen. Hierzulande sind es eher die Mittelaltermärkte, die Besucher anlocken wollen und auch wir haben schon so manche erreichbare besucht. Nach der „Zeitreise Ehrenberg“, dem „Mittelalterfest in Eggenburg“ und wie sie alle heißen, sollte es dieses Jahr aber ein Fest mit Bezug zur Antike sein. Bei einer entsprechenden Internet-Recherche fand ich das Römerfest in der Augusta Raurica (2), welches nahe Basel heuer bereits zum zwölften Mal stattfand. Zwar in der Schweiz gelegen ist es für uns aus Tirol immer noch näher als z.B. Carnuntum östlich von Wien. Da haben wir nicht lange überlegt und den Termin gleich im Familienkalender fixiert. Trotzdem es einige Pauschalangebote mit Übernachtung in Basel und Eintritt zum Fest gab, entschieden wir uns für die individuelle Lösung eines Gasthauses nahe der Römerstadt. Als wir am 24. August die Grenze in die Schweiz passierten war der Sommer, den wir am vorherigen Wochenende in Kärnten vermisst hatten, endlich wieder zurückgekehrt. Unser Familienausflug in die römische Geschichte unserer Nachbarn versprach also angenehm zu werden. Unser erster Weg führte uns zu unserer Herberge, dem Landgasthof Adler in Kaiseraugst, wo wir uns auch mit meinem Bruder und Vater trafen. In einer ersten Erkundungstour entdeckten wir zu unserer Überraschung, dass der Rhein fast direkt hinter dem Gasthof vorüber floss. Außerdem fanden sich alle paar Schritte Hinweis auf die römische Geschichte dieser Gegend, egal ob es sich dabei um die Überreste des Befestigungswalls, eine Säule mitten in einem Vorgarten oder konservierten Thermen handelte. Erfreulicherweise waren alle größeren archäologischen Stätten problemlos und kostenlos zugänglich. An diesem Abend besuchten wir auch schon mal vorab das Gelände des Römerfestes, auf dem bereits eifrige Vorbereitungen und Proben im Gange waren.
Etwa
um Viertel nach 10 am nächsten Tag erreichten wir das Festgelände
erneut, und kamen knapp zu spät für die festliche Eröffnung,
eine Sache, die sich im Laufe des Tages noch einige Male wiederholen
sollte. Ich hatte das umfangreiche Programm leider stark unterschätzt.
Neben dem Markt- und Handwerkerbereich gab es nämlich etliche
einzelne Veranstaltungshöhepunkte (3). Da das Gelände
recht groß war und die einzelnen Veranstaltungen an vier
verschiedenen Orten meist gleichzeitig begannen und endeten, wobei
es kaum Pausen zu einem Lokalitätenwechsel gab, war es praktisch
unmöglich alle für uns interessanten Highlights mit zu
erleben. In meinem Bestreben möglichst viel zu sehen, hatte
ich einen viel zu knappen Zeitplan entworfen, wodurch wir meist
zu spät am jeweiligen Ort eintrafen und früher hätten
gehen müssen um zum nächsten Programmpunkt zu gelangen.
Obwohl wir abgesehen von dem Wagenrennen und den Bacchanalien kaum einen Programmpunkt vollständig erlebt und außerdem die Gladiatorenspiele und andere Highlights komplett verpasst hatten (zuletzt mussten wir die Hitze des Theaters, welches leider nicht abgeschattet werden konnte, meiden und konnten bei den spätnachmittäglichen Gladiatorenkämpfen nicht mehr zusehen), ist mir das Fest überaus positiv in Erinnerung. Es wäre vielleicht günstiger und entspannter gewesen, hätten wir uns von vorneherein für den Besuch des Festes an beiden Veranstaltungstagen entschieden. Besonders ansprechend fand ich das Römerhaus, in welchem verschiedene Workshops für Kinder wie z.B. das Kochen römischer Rezepte oder das Ausprobieren römischer Brett- und Würfelspiele abgehalten wurden. Ein anderer mag sich von der eigenartig-mittelalterlichen Sprache des Met-Schankmeisters angesprochen fühlen und seine Zehen gerne mal in den matschigen Boden eines Mittelaltermarktes versenken, aber das Gefühl, zu erleben, wie die Leute damals lebten, hatte ich eigentlich erst als wir dieses Haus betraten. Es passte ausgezeichnet zu dem sommerlichen heißen Wetter, dass das nach außen hin abgeschottete Haus Kühlung bot. Der Bereich des Atrium war bepflanzt mit verschiedenen Kräutern und vom Tisch mit den Zutaten für den Kochworkshop wehte auch immer wieder der mediterrane Duft von frischem Brot, Oliven, Thymian und Feta herüber. Außerdem behielt der „Hausherr“ während des Festes auch immer wieder die Räucherung am Lararium im Auge, welches kleine Keramikstatuen von Göttern und Ahnen beherbergte, die ich mir von Größe und Form her auch gut für unsere eigene Reise-Kult-Ausrüstung vorstellen könnte.
Das kulinarische Angebot am Römerfest sprach mich weniger an. Da die Versorgung komplett durch einen Cateringbetrieb getragen wurde, war die Auswahl an Speisen recht gleichförmig und ich hatte überhaupt den Eindruck, dass es überall nur Idefix Caldo (der Versuch eines witzig und lateinisch klingenden Namen für HotDog und Würstchen zu verwenden) zu kaufen gab, was aber mit Sicherheit nicht stimmt. Schlussendlich wurden wir vom raschen Ende des Festes und des Marktbetriebes um 18 Uhr regelrecht überrascht, da es seitens der Temperaturen gerade erst anfing wieder gemütlicher zu werden. Wir überlegten kurz ob wir nicht doch noch einen zweiten Tag am Fest anschließen sollten, entschieden uns dann aber stattdessen für den spontanen Besuch des Antikenmuseums in Basel am nächsten Tag. Letztlich verging das Wochenende einfach viel zu schnell, denn es hätte noch so manches gegeben, was wir gerne besucht und gesehen hätten. So nahmen wir aber abgesehen von einem Paar Römersandalen, zwei Ausstellungskatalogen und einem Stapel Bücher unter anderem den Entschluss mit nach Hause, in nicht allzu ferner Zukunft wieder einmal zurück zu kehren, denn wie wir feststellen konnten, liegt Basel absolut nicht aus der Welt sondern ganz im Gegenteil mitunter näher als manche österreichische Stadt, auch man sich zu Zeiten des Euro mittlerweile schon ziemlich fern der Heimat fühlt, wenn man mit einer fremden Währung hantiert. ------------------ |
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