| Stephanos, Himatidion und die Farbe Weiß |
Als
Hellenisten, sind wir eine Gruppe von Gläubigen und keine Reenactment-Truppe.
Wer also zu einem unserer Feste kommt, braucht sich keine Gruppe
von Leuten in antiker griechischer Gewandung zu erwarten. Im Gegensatz
zu manchen magischtätigen, heidnischen Gruppierungen, sind wir
auch nicht der Meinung, dass die Art unserer Kleidung Einfluss auf
die Zeremonie hätte. Hierbei
können folgende drei Dinge von Bedeutung sein: Weiß ist
ja eigentlich keine Farbe, sondern vereint tatsächlich alle
Farben des für uns sichtbaren Spektrums der Lichtfarben in
sich, soviel zumindest zu den physikalischen Tatsachen. Häufig
wird Weiß als Farbe der Reinheit und im übertragenen
Sinn der Wahrheit und des Guten betrachtet. Weiß ist auch
die Farbe des Unberührten und steht für die Unsterblichkeit
der Götter, denen wir uns im Kult ja nähern. Freilich,
von Unsterblichkeit kann das Weiß unserer Kleidung niemals
sein, aber frisch gewaschen kehrt es zum nächsten Ritual wieder
annähernd in den gewünschten Zustand der Reinheit zurück. Sollte
es einmal nicht möglich sein, sich in Weiß zu kleiden,
zum Beispiel weil keine der Witterung angemessene Kleidung in dieser
Farbe zur Verfügung steht, tragen wir zumindest einen weißen
Himatidion. Diese Bezeichnung und auch seine grundsätzliche
Beschaffenheit leiten wir vom griechischen Himation, einer Art
Umhang, ab. Tatsächlich handelt es sich auch um einen solchen,
allerdings mit geringerer Breite. Bereits in der Spätantike
wurde ein ähnliches Kleidungsstück von religiösen
Lehrern getragen
Der
Stephanos wird üblicherweise aus frischen Pflanzen, Blumen
oder Blättern gewunden, und auf dem Kopf getragen. Einerseits
hat er eine schmückende Funktion, andererseits ist er auch
mit einer starken Symbolik behaftet. Die Grundform des Kranzes
ist der Kreis bzw. der Ring, welcher für die Unendlichkeit
steht, aber natürlich auch den Kreis des Heiligen Raums im
Ritual repräsentiert. Erstmals als Kopfschmuck erwähnt
wird er in den Homerischen Hymnen an Aphrodite. Die Sieger der
athletischen Wettkämpfe erhielten ihn in späterer Zeit
als Preis (s. Pindar, Olymp.Ode 4,36), was ja auch heute noch so
gehandhabt wird. Die Römer entwickelten daraus verschiedenste
Formen von "Kronen" (coronae) entwickelt. Die "Corona
Sacerdotalis" (so genannt bei Amm. 29.5.6) aus verschiedenen
Materialien als wird als Zeichen der priesterlichen Funktion beim
Ritus getragen. Grundsätzlich
handelt es sich bei jeder Form von liturgischer Bekleidung um Äußerlichkeiten,
die nicht zwingend notwendig sind. Ich bezweifle, dass die Götter
demjenigen zürnen wollten, der ihnen unbekränzt oder
anstelle von Weiß in gothic-schwarzem Outfit gegenüber
tritt. Dennoch bevorzugen wir das Tragen entsprechender Kleidung,
einzeln aber ganz besonders auch als feiernde Gruppe, denn diese
zeigt nicht nur unsere Einstellung nach außen hin, sondern
wirkt auch zurück ins Innere. Bereits wenn ich mir meine weiße
Kleidung zurecht lege, selbst wenn es sich dabei nur um schlichte
Jeans und einen Rollkragenpullover handelt, stimme ich mich auf
den festlichen Anlass ein. Und das weiße Band läßt
auch schon beim kleinen Gebet das profane Alltagsleben für
einen Moment zurück treten. |
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