Saatfest im Herbst: Die Thesmophorien

Vom 11.-13. Pyanopsion begehen die meisten Hellenisten ein großes Festival zu Ehren der Demeter, die Thesmophorien. Hierbei handelt es sich um ein Saatfest, was für uns im Herbst auf den ersten Blick ein wenig befremdlich zu sein scheint, aber bei näherer Betrachtung der klimatischen Verhältnisse Griechenlands schnell erklärt ist. Die unfruchtbarste Zeit des Jahres bildet dort nämlich der heiße und sehr trockene Sommer, welcher um diese Jahreszeit von einer niederschlagreichen Periode abgelöst wird, an deren Beginn die Aussaat erfolgt.

Vielfach werden die Thesmophorien als Vorgäng-erkult der Eleusinischen Mysterien betrachtet, obwohl diese durchaus parallel existierten.
Manchmal trifft man auch auf die gegensätzliche Meinung, dass die Thesmophorien als Frauenfeste den angeblich männlich dominierten Mysterienkult ablösten. Ehrlich gesagt, erscheinen mir beide Ansätze überaus unwahrscheinlich, da ich von einem gemeinsamen Ursprung, einer Gruppierung um denselben Mythos und einer leichten gegenseitigen Beeinflussung ausgehe.

Der Mythos, welcher den Thesmophorien nahe steht ist die Suche der Demeter nach ihrer Tochter und ihre Trauer um sie, welche der Menschheit jegliche Fruchtbarkeit und somit Existenzgrundlage entzieht, aber der Mythos alleine ist mit Sicherheit nicht die Grundlage des Festes wie er auch nicht einzig zur Begründung des selbigen entstanden sein wird.
Die Herkunft des Namens ist auch nicht ganz eindeutig, wobei er sich aber vermutlich aus den beiden Wortbestandteilen thesmós (=das Festgesetzte, Satzung oder Brauch) und phérein (tragen, bringen und erhalten) ableitet. Bekannt ist diese Bezeichnung vor allem auch durch den Kulttitel Thesmophoros der Demeter, welcher sie als die Gesetzgeberin ehrt, also die Bringerin der Zivilisation und der Sesshaftigkeit unter anderem durch das Lehren der Kultivierung von Saatgut und anderen wichtigen Bestandteilen der Landwirtschaft, auf dem Preller und Robert ihre Interpretation gründen. Es ist aber nicht gesichert, dass sich der Festname vom Kulttitel oder umgekehrt der Beinamen von der Festbezeichnung ableitet.

Eine zweite Theorie welche vor allem Nilsson vertritt ist jene, dass es sich bei den thesmoi ähnlich wie bei vergleichbaren Festnamen (z.B. Arrhetoporia, Phallophoria usw) und die namens gebenden Dinge und Kultgegenstände handelt, welche im Zuge der Festlichkeiten getragen bzw. niedergelegt werden. Vielfach wird statuiert, dass sogar beide Interpretationen auf das Fest zutreffen.

Die Thesmophorien werden typischerweise als Frauenfest betrachtet, da es vor allem in Athen so

 

gewesen sein dürfte, dass Männer von den Feierlichkeiten ausgeschlossen waren. Die genauen Rechte der Teilnahme (ob nun Mädchen vor ihrer Reife und welcher Frauen welcher sozialen und gesellschaftlichen Schichten zugelassen waren), ließ sich bislang nicht zweifelsfrei klären. Das Fest dauerte drei Tage:
1. Anodos (=Aufstieg)
Dieser Tag ist regelrecht der Anreise vorbehalten, wie es der Name bereits vorweg nimmt. Die Athenerinnen stiegen auf den Hügelbezirk Pnyx um zum Heiligtum der Demeter zu gelangen. Dabei führten sie alles mit, was sie für die dreitägige Feier benötigten, wie zum Beispiel Material und Werkzeug für den Bau ihrer Hütten, für das Festessen und den Abschluss der Feier, heilige Gegenstände und sogar lebende Ferkel, welche Bestandteil eines Rituals waren.
2. Nesteia bzw. einfach He Mese (=Mitteltag)
Der zweite Tag, auch Mitteltag genannt, war ein Fasttag, welchen die Frauen überwiegend sitzend auf ihren Lagern verbrachten. Wie so oft diente auch hier das Fasten einer Reinigung und Vorbereitung. Einigen Autoren zufolge fanden am Abend der Nesteia geheimnisvolle Rituale statt, über deren Inhalte und Abläufe allerdings mehr gemutmaßt als gesichert ausgesagt werden kann. Möglicherweise gehörte das hinab werfen von verschiedenen Gegenständen und der Ferkel in die Megara zu diesen Ritualen.
3. Kalligeneia (=die, die schöne Kinder gebiert)
Der dritte und festlichste aller drei Tage stand vor allem im Zeichen der Vermehrung und beinhaltete Riten zur Bitte um leichte Geburt und schöne Nachkommenschaft. Nach dem Fasten war es nun Zeit für das große Festmahl. Möglicherweise wurden auch an diesem Tag jene Riten abgeschlossen welche am Vorabend begonnen wurden.

Wie bereits erwähnt ist zum Inhalt und Ablauf der verschiedenen Fruchtbarkeitsriten kaum gesichertes Material vorhanden, weshalb die Angaben der Altertumswissenschaft auch sehr unterschiedlich ausfallen. Da es beinahe unmöglich ist Inhalt oder Ablauf der Rituale und Zeremonien zu rekonstruieren, werden sie als geheime Riten bezeichnet und aus diesem Grund möchte ich mich an dieser Stelle auch selbst nicht unbedingt in großen Mutmaßungen ergehen.

Dieses Jahr lade ich übrigens schon ein wenig früher (am 23. September) alle interessierten Frauen zu einem gemütlichen Weiberabend am Lagerfeuer anlässlich der Thesmophorien ein. Es wird eher ein gemütliches Zusammensein und gegenseitiges Kennenlernen, denn eine große religiöse Zeremonie werden, aber wer weiß, vielleicht kommen die Teilnehmerinnen ja im nächsten Jahr zu unserer offenen Zeremonie anlässlich dieses Festtages.

Copyright by Sanda Mauler (Sassa)

 
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