| Unsere erste Herme |
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An einem gemütlichen Spätsommerwochenende auf der Berghütte unserer Familie setzten wir eine spontane Idee gleich praktisch in die Tat um: wir errichteten unsere erste Herme als Hermeskultbild in freier Natur und weihten diese auch gleich ein. Der erste Spaziergang brachte uns dazu den Stab, der zweite zeigte uns den Platz, beim dritten sammelten wir den Blumenschmuck und beim vierten errichteten wir die Herme dann und feierten ihre Einweihung. Die Bauweise der Herme ist denkbar einfach: Ihren Mittelpunkt bildet der hoch aufgerichtete und von Rinde befreite Stab, dem wir in Ermangelung passenden Schnitzwerkzeuges Gesicht und Phallus vorerst nur aufgemalt haben. Dieser wird durch einen Steinhaufen fixiert. Ich habe auch ein Schild hinzugefügt, damit hier niemand eine Kinderei zu vermuten hat, welches mit Jahrzahl versehen ist und folgende Aufschrift trägt: |
„Mein
Freund, auf allen deinen Wegen, begleite dich des Gottes Segen!“
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Idealerweise
sollte jeder, der vorbei kommt auf die Herme aufmerksam werden, inne
halten und zumindest den Text des Schildes lesen. Wir selbst legen
außerdem bei jedem Besuch, wie auch in der Antike üblich,
einen weiteren Stein zum Haufen dazu.
Mit den kunstvollen, antiken Vorbildern (steinerne Kultpfeiler, deren oberes Ende in Form des Bart tragenden Gottes bzw. als Büste gestaltet ist) hat unsere erste Herme rein äußerlich nur wenig zu tun, da es bei diesem Spontaneinsatz einfach an den passenden Mitteln fehlte, dennoch war der richtige Ort und die richtige Zeit da. Es wird aber nicht das letzte solche Kultbild gewesen sein, welches wir ins Leben rufen. Die Schwierigkeit besteht einzig und allein in der regelmäßigen Pflege und Instandhaltung beziehungsweise etwaigem Wiederaufbau, sollte sie einmal aus irgendwelchen Gründen wie zum Beispiel aufgrund eines besonders rauen Winters komplett zerstört werden. Mit besonderem Missfallen von den vermutlich überwiegend christlichen Passanten, rechne ich grundsätzlich nicht, da Steinhaufen bzw. Steinmandln gerade hier bei uns in den Alpen durchaus noch häufig als Mittel zur Markierung und Wegweisung eingesetzt werden und damit absolut nichts Ungewöhnliches sind.
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| Copyright by Sanda Mauler (Sassa) |