| Täglicher "Götterdienst" |
„Deinen Mitteln entsprechend bereite den unsterblichen Göttern die Opfer […], stimme sie mit Weinspenden und Weihrauch gnädig, wenn du zu Bett gehst und wenn das heilige Licht wiederkehrt, aufdass sie dir Gnade in Herz und Sinn bewahren…“ (Hesiod. „Werke und Tage“. 335f). In der griechischen Antike war es üblich, dass der Haushaltsvorstand für die ordnungsgemäße Verrichtung der täglichen Riten verantwortlich war. Und auch bei uns hat es sich ergeben, dass mein Mann sich Tag für Tag um diese Riten kümmert. Dabei handelt es sich nicht um freie Gebete sondern um eine mittlerweile immer gleiche Liturgie. An erster Stelle steht
wie immer die Reinigung (Morgendusche oder zumindest „kleine Hygiene“). Nachdem der Altar gereinigt
und von den gestrigen Opfergaben befreit wurde, beginnt der Morgenritus
mit einer Hymne an Hestia. Danach werden die Altarkerzen und der Weihrauch
(bzw. Räucherstäbchen) entzündet. Es folgt eine Hymne
an Helios (oder abends auch an Selene). „Khairete,
athanatoi theoi, Für
die jeweilige(n) Gottheit(en), welcher der Tag heilig ist,
wird eine Hymne gesprochen oder gesungen, wobei mein Mann abseits
des
athenischen Kalenders eine Zuordnung zu den einzelnen Wochentagen
entwickelt hat (Mo: Artemis, Demeter; Di: Ares, Hephaistos;
Mi: Athene, Hermes;
Do: Zeus, Hera; Fr: Poseidon, Aphrodite; Sa: Hestia, So: Apollon). Ergänzend zu den Riten meines Mannes habe ich mir angewöhnt wenn möglich täglich mit meinem Sohn morgens und abends jeweils ein bestimmtes Gebet zu sprechen. Nach der Morgentoilette entzünde ich an meinem Schrein meist ein Räucherstäbchen und an besonderen Hestia-, Hera- und Demetertagen auch ein Teelicht. Abends spreche ich das Gebet, wenn ich unseren Sohn ins Bett bringe und manchmal macht er mit, zumindest hört er aber aufmerksam zu. Folgende einfache Gebete habe ich extra selbst für uns geschrieben. |
| Am
Morgen: „Khaire Helie, ich (wir) grüße(n) dich an diesem Morgen, der du strahlend über den Himmels eilst und uns in deinem glänzenden Wagen einen neuen Lebenstag bringst. Unermüdlich ziehst du deine Runden, alles schauender und hörender Zeuge unserer Taten. Ich (wir) singe(n) deine Namen und preise(n) deine Gegenwart. Segne uns und diesen Tag, oh Helie!“ |
Am
Abend: „Khaire Helie, ich (wir) grüße(n) dich an diesem Abend, bevor du rot schimmernd hinter dem Horizont verschwindest und mit deinem glänzenden Wagen weiter ziehst. Und ich (wir) grüße(n) deine sanfte Schwester Selene, die Veränderliche, die nun ihren einsamen Ritt antritt und silbern glänzend den Nachthimmel erhellt. Ich (wir) singe(n) eure Namen und preisen eure Gegenwart. Segnet uns mit sanftem Schlaf und weckt uns morgen zu neuen Taten, oh Unsterbliche!“ |
Diese Vorschläge sind natürlich nicht bindend, jeder kann seine eigenen Vorstellungen einbringen, die sich wahrscheinlich nach den persönlichen Möglichkeiten und Tagesabläufen richten werden. |
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