| Hellenische Gebetskette | |
| Obwohl die Griechen der Antike vermutlich keine Gebetsketten oder ähnliche Hilfsmittel verwendeten (zumindest sind mir keine entsprechenden Erkenntnisse der Altertumsforschung bekannt), war es mir durchaus ein Bedürfnis ein derartiges Stück in meinen Kult einzubeziehen. Ich wollte jedoch nicht einfach einen alten Rosenkranz von seinem Kreuz befreien und uminterpretieren, sondern meine eigene, hellenische Variante herstellen. Da ich irgendwie nicht von der Idee los kam eine Kette für alle zwölf Olympier auf einmal zu entwickeln, wurde das Ergebnis ziemlich schwerfällig und eher unbrauchbar. |
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Irgendwann stieß ich bei Hellenion auf die Variante von Andrew Campbell (1). Er orientierte sich bei den bei heutigen Griechen so beliebten Komboloi und richtet sie sinnvoller Weise nur an eine einzelne Gottheit. Da mir diese Form auf Anhieb zusagte, fertigte ich mir daraufhin selbst meine erste Zeus-Gebetskette nach diesem Vorbild an. Ein zusätzlicher Vorteil dieser relativ kurzen Gebetskette ist eine bequeme Transportmöglichkeit. Wer sie nämlich nicht in einem Beutelchen oder in der Hosentasche mit sich herum tragen möchte, der kann sie so anfertigen, dass die große Perle verschiebbar bleibt, wodurch die Länge des inneren Kranzes variabel ist und man die Kette einfach wie ein Armband tragen kann. Man kann sie sogar direkt am Handgelenk verwenden.
Wie aber betet man nun mit einer solchen hellenischen Gebetskette? Das System ist genauso wie bei anderen Kranzgebeten: man nimmt die erste Perle zwischen die Finger und spricht die entsprechende Formel, dann schiebt man die Perle zurück und nimmt die nächste zwischen die Finger und spricht wiederum die entsprechende Gebetsformel und so weiter. Ich persönlich rolle die Perlen auch gerne zwischen den Fingern während ich bete. Da es wie gesagt keine antiken oder generellen Vorlagen gibt, schreibe ich mir die Texte für die jeweiligen Kränze selbst. Insgesamt benötige ich 4 Gebetsbausteine, die jeweils den entsprechenden Perlen zugeordnet werden. Einmal ist da der Eröffnungssatz für die erste Perle (Nr. 1), danach kommt der Satz für die große Perle (Nr. 2), welcher nach den Wiederholungen des Hauptsatzes noch einmal gebetet wird, der Hauptsatz der kleinen Perlen selbst, wobei für jede Perle ein anderes Epithet verwendet wird (Nr. 3) und der Schlusssatz (Nr. 4). Die Zahl der Perlen kann je nach Belieben variieren, indem man zum Beispiel die Zahl der kleinen Perlen im Kranz verdoppelt oder verdreifacht und jeweils wieder durch eine große Perle abtrennt (ähnlich wie beim katholischen Rosenkranz). Für meine kleine Zeuskette verwende ich insgesamt 14 kleine (zwei davon für den Anfang und das Ende) und eine große Perle. Im Kranzinneren sind also zwölf kleine Perlen, so wird der Hauptsatz zwölf Mal wiederholt, was der Anzahl der olympischen Götter entspricht. Für eine andere Gottheit empfiehlt sich möglicherweise eine andere Anzahl von Perlen z.B. 7 für Apollon, 13 für Dionysos und so weiter. Mein
Gebet an Zeus sieht nun folgendermaßen aus: |
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Eröffnungssatz Große
Perle Kleinen
Perlen Schlusssatz |
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Hat man den Kranz zu Ende gebetet, so kann man das Gebet natürlich beliebig oft wiederholen. Einfach gebetet ist diese Variante relativ kurz und eher als „Gebet zwischendurch“ geeignet um ein wenig zur Ruhe zu kommen. Zu einer tieferen Wirkung gelangt man eher durch häufigere Wiederholungen wobei zwei unterschiedliche Möglichkeiten bestehen. Einerseits kann man durch besonders bewusstes Beten mit entsprechender Atmung eine meditative Wirkung erleben, welche in Richtung einer besonderen Konzentration führt. Durch ein eher monotones Murmeln vieler Wiederholungen, vielleicht noch begleitet von einer entsprechenden wippenden Bewegung gelangen wir eher in einen tranceartigen Zustand. Es zahlt sich aus, hier ein wenig zu experimentieren und selbst an den Texten zu arbeiten.
(1) Autor des bislang bekanntesten Buches über modernen Hellenismos: „Old Stones – New Temples“ |
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