Noumenia - Immer ein Grund zu Feiern

Allmonatlich findet das heute kaum mehr wahr genommene Ereignis des Neumondes statt. Dies meint nicht, die kurze Phase in welcher der Mond durch den Erdschatten komplett verdunkelt wird, sondern vielmehr den Beginn des neuen Zyklus, wenn am Himmel die erste silberglänzende Sichel aufblitzt. Während sich die meisten modernen Heiden eher in der Kraft des vollen Mondes sonnen, war und ist es der neue Mond, der Hellenisten inne halten lässt. Dieser Zeitpunkt ist so markant, dass er als regelmäßiger Feiertag „Noumenia“ begangen wird und mit ihm der hellenischen Monat beginnt.

Noumenia dürfen nicht als profane Mondfeste missverstanden werden, nur weil der Anlass scheinbar ein astronomisches Ereignis ist. Die Noumenia feiern weder die Erinnerung an ein konkretes Geschehnisse in der Geschichte der Gemeinschaft von Menschen und Göttern noch ist es das Fest zu Ehren einer bestimmten Gottheit, sondern es wird die Ordnung, das kosmische Gefüge als Ganzes gefeiert. Aus diesem Grund ist es gar nicht abwegig, die Noumenia als eine der größten hellenischen Festtage zu betrachten.

Zumeist werden die Noumenia als Fest aller Götter verstanden, häufig werden jedoch insbesondere Selene und Apollon Noumenios als zu ehrende Gottheiten genannt. Selene ist absolut nahe liegend und bedarf keiner weiteren Erklärung, aber Apollon scheint auf den ersten Blick nicht verständlich. Bei näherer Betrachtung wird jedoch auch hier der eindeutige Hinweis auf die gute Ordnung ersichtlich, immerhin gehört diese zu einigen der wesentlichen Aufgaben des Apollon.
Wie die Noumenia heutzutage begangen werden, ist sehr unterschiedlich. Die Struktur unserer heutigen

 

nach christlichen Zyklen geordneten, Gesellschaft und Arbeitswelt, lässt es kaum zu, dass ein moderner Hellene an jedem Neumond für einen ganzen Feiertag inne hält, so wie dies einst in der Antike normal war. Dadurch verkommen diese hohen Festtage meist zu knappen Feierabendfesten, die kaum ihrer Bedeutung gerecht werden können. Nichts desto trotz ist es sinnvoll und wünschenswert den Rhythmus und die Regelmäßigkeit der Noumenia in unser Leben einzubeziehen und zumindest im Kleinen die an ihnen ersichtliche Ordnung der Welt bzw. des Universums zu feiern.

Sollte es die Zeit oder sonst etwas nicht zulassen, dass wir eine ausführliche Feier samt entsprechender Opfergaben, Trankopfer und Hymnen begehen, so entzünden wir zumindest an diesen Tagen bzw. Abenden gemeinsam eine spezielle Kerze, die wir zu Jahresbeginn zum ersten Mal entzündeten und die uns so von Neumond zu Neumond das gesamte Jahr hindurch begleitet.

Zu jedem hellenischen Feiertag gehört natürlich auch ein entsprechendes Festmahl, was bei uns zumindest bedeutet, dass wir an Noumenia wie auch an anderen Feiertagen und sonstigen speziellen Anlässen das eine oder andere Gläschen Wein zum Essen genießen. Überhaupt gibt es kaum einen besseren Anlass zum Feiern als Noumenia. Und ist die Bedeutung der Noumenia erst einmal erkannt, so ist es kaum eine Schwierigkeit im Hier und Heute eine angemessene Form ihrer Feier zu finden auch abseits aller Berichte über antike Abläufe und junghexisch anmutenden Empfehlungen von schwarzen Altartüchern und Kerzen in den Farben Silber und Gold.

Copyright by Sandra Mauler

 
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