| Heliou Genethlion | ||
Wir Hellenisten feiern ein besonders ausgedehntes Weihnachtsfest. Mit seinen 8 Tagen ist „Heliou Genethlion“ ein großes Festival mit vielen Ritualen und Bräuchen, die individuell variieren können. Anlass stellt, wie der griechische Name schon vermuten lässt, die „Geburt“ der Sonne dar. Wenn es auch astronomisch nicht unbedingt stimmen mag, so bildet die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember als Sonnenwende das Kernfest. Mit der längsten Nacht endet das alte Jahr, begleitet von entsprechenden Ritualen und mit dem Aufgang der Sonne, welche von nun an jeden Tag ein wenig mehr scheint, beginnt das neue Jahr, welches mit den Feierlichkeiten ausführlich begrüßt wird. Es folgen Tage voller Festlichkeiten im Kreis der Familie, unter Freunden und mit Kollegen. Schlusspunkt des Festivals bildet praktischerweise der Jahreswechsel des gregorianischen Kalenders am 31. Dezember mit all den Bräuchen und Ritualen, die bei uns zur Tradition gehören. Im Folgende möchte ich etwas näher ins Detail gehen und
diverse Abläufe des Festes erläutern, wie sie in unserer
Familie üblich sind. Andere Varianten haben natürlich ebenso
ihre Berechtigung und sind weder besser noch schlechter als unsere
Art „Heliou Genethlion“ zu begehen. |
des Baumes. Unserer zeichnet sich durch seinen besonders bunten und fröhlichen Schmuck aus und wird von einem goldenen Strahlenstern als Sonnensymbol gekrönt. Außerdem eignet sich diese wie auch die folgenden Nächte besonders zum Losen (tirolerisch für wörtl. „hören“ bzw. „horchen“). Mit verschiedensten Methoden kann man versuchen um in die Zukunft zu schauen bzw. zu hören. Botschaften und Hinweise der Götter werden aufgenommen und gedeutet. Was bringt uns das kommende Jahr? Wird es uns gut ergehen? Stehen besondere Aufgaben und Problematiken bevor? Altes regionales Brauchtum lässt sich hier mit Orakeltechniken der antiken Welt verbinden. Vor Sonnenaufgang finden sich alle Familien-mitglieder (auch wenn sie die Nacht nicht durchwacht haben) am Altar zum morgendlichen Ritual ein. Bei
oder kurz nach Sonnenaufgang begrüsst die Familie/die Gemeinde den
neuen Tag mit den Worten "Die Sonne ist geboren, das Licht wächst".
Bei den Gebeten und Gedanken herrscht nun die Thematik des Werdens und Wachsens
vor. Vorsätze für das neue Jahr können ausgesprochen werden.
Hier sollten die Moiren und Horen, sowie die jeweiligen Familiengottheiten
ihre (Dank- und Bitt-)Gebete und Opfergaben erhalten. Der Morgen des 25. Dezembers wird traditionell eher im kleinen, familiären Rahmen begangen. Der Rest des Tages und auch die folgenden Tage stehen dann sowieso den Feiern mit anderen Gruppen (Verwandtschaftsbesuche, Treffen mit weiter entfernt wohnenden Freunden und Bekannten, Weihnachtsfeier mit Kunden oder Kollegen usw.) zur Verfügung und sind im Ablauf selten einheitlich, da hier häufig verschiedene Religionen und Vorstellungen aufeinander treffen. Geschenke (und gute Wünsche für das kommende Jahr) sind allerdings nahezu überall üblich und werden nur nach voriger Absprache nicht gemacht. Das Beschenken ist zwar hauptsächlich von Kindern üblich, jedoch hat es sich auch unter Erwachsenen längst durchgesetzt. Die letzte Nacht
des Festivals, vom 31. Dezember auf den 1. Jänner, bildet wiederum
speziellere Rituale. Nach einer Nacht mit üppigem Essen und Alkohol
wird das neue Jahr mit lautem Geknalle und Gepöllere, mit Feuerwerk
und Knallern begrüßt. Das laute Knallen und die Lichtblitze
sollen böse Geister abschrecken. Auch diese Nacht wird häufig
für Orakel verwendet. Bekannt und mittlerweile eher unbeliebt
ist das Bleigießen bei dem verflüssigtes Blei mit kaltem
Wasser abgeschreckt und die entstandenen Figuren auf ihre mögliche
Bedeutung hin gedeutet werden. Orakelkuchen mit eingebackenen Botschaften
oder Gegenständen sind nicht unüblich. Manch einer wagt am
31. Dezember auch den Gang zu einem/einer WahrsagerIn. |
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