| Chancen und Grenzen von Religionsfreiheit und -kritik (Teil 4) |
In den vorangegangenen drei Teilen dieses Artikel-zyklus beleuchtete Akesios vor allem das Buch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ beziehungsweise die dazugehörige Verteidigungs-schrift in Hinblick auf Fragen der Religionsfreiheit und –kritik. Im Folgenden möchte ich noch einige weitere Punkte, unabhängig von diesem Buch, ansprechen, welche mir persönlich zu dieser Thematik wichtig sind. Zuerst einmal geht es um das Thema der Religionsfreiheit. Akesios hat bereits hinreichend erläutert, dass dieser Begriff schwer fassbar ist, weil alleine für Religion keine eindeutige Definition zur Verfügung steht. Dieses Problem überträgt sich natürlich im selben Ausmaß auf den Begriff der „Religionsfreiheit“, wobei noch ein weiteres Missverständnis damit zusammen hängt. Freiheit kann hier nämlich einerseits als ein „sich frei machen“ von den Fesseln der Religion, eine Überwindung derselben darstellen, oder aber auch die Wahlfreiheit zwischen den Religionen be-zeichnen. Darüber hinaus wird es häufig auch einfach als eine Freiheit zur Religion, also einer weitestgehend unbeschränkten Glaubensausübung verstanden. Somit prallen hier völlig unterschiedliche Vorstellungen in einem Begriff aufeinander. Tat-sächlich können alle drei Bedeutungsnuancen zutreffen, denn im Wesentlichen bedeuten die Freiheiten des Einzelnen, jedes Einzelnen, nach der UN-Charta zu allererst, dass alle Menschen grundsätzlich gleich sind und damit vor allen Dingen gleichermaßen vernunftbegabt und befähigt sich eine eigene Meinung zu bilden und Entscheidungen das eigene Leben betreffend zu fällen. In weiterer Folge ist davon auszugehen, dass jeder Mensch unab-hängig von seiner Herkunft selbst fähig ist, zu entscheiden welchen Stellenwert Religion bzw. welche spezifische Religion in seinem Leben einnimmt. Er kann sich grundsätzlich aus freien Stücken von Religion befreien oder eine bestimmte als seine eigene wählen. Darüber hinaus soll es ihm zugebilligt werden, diesen seinen selbst gewählten Glauben ungehindert auszuüben, solange er damit nicht gegen geltendes Recht (z.B. Strafrecht) verstößt. Religionsfreiheit kann somit nur gelingen, wenn die Gleichheit der Menschen verinnerlicht wird, denn wer annimmt, dass der Gegenüber ein Rindvieh ist, welcher gar insgeheim als minderwertig betrachtet wird, dem wird es schwer fallen, diesem die freie Entscheidung von oder zur Religion zuzubilligen. Schon entsteht die Idee von irre-geleiteten Vorstellungen und „falschen“ Religionen. Die
Religionskritik selbst ist eigentlich schon wesentlich älter,
als der Begriff der Religionsfreiheit. Zumindest gibt es Kritiker
an der Religion bzw. an einzelnen Bestandteilen und Ausprägungen
ver-mutlich fast schon so lange wie es Religion selbst gibt. Ihre
genauen Anfänge zu finden, stellt sich also als überaus
schwierig dar. Der Ursprung von Kritik, liegt wie so oft im Griechischen
um genau zu sein bei kritike, was sich von krinein ableitet und so
viel heißt wie das „Auseinanderhalten von Fakten“.
(basierend auf Wikipedia).
Kritik ist grundsätzlich zweigesichtig und kann sowohl positiv
in Form von Lob oder negativ als Tadel ausfallen. Anstelle von Tadel
ist häufig die so genannte „konstruktive Kritik“ gefragt,
welche darauf abzielt eine Verbesserung zu erreichen statt Missstände
nur anzukreiden. Der Begriff der Kritik wird aber umgangssprachlich
vor allem mit deren negativen Ausprägungen assoziiert. Religionskritik, die von innen kommt, also von den eigenen Gläubigen, gehört meines Erachtens zu den wichtigsten Faktoren, welche eine Religion lebendig und anpassungsfähig aber auch authentisch und sich selbst treu erhalten können. Sie ist die kontinuierliche Überprüfung des Glaubens, ein Abtasten gewachsener Traditionen und Macht-ansprüchen auf ihre Berechtigung. Die Religion kann so im selben Maße mit der Gemeinschaft der Gläubigen und ihren Entwicklungen mitwachsen, |
sofern
dieser internen Kritik auch wirklich Be-achtung geschenkt und Anregungen
ernsthaft in Erwägung gezogen werden, in Abwägung zu den
Wurzeln. Kritik ist also jenes Werkzeug, welches verhindern kann und
soll, dass Religion zurück bleibt und gleichzeitig für eine
Säuberung von Machttaumel und Irrmeinungen sorgt. Als
nicht sinnvoll betrachte ich allerdings jene Form der Religionskritik
durch Außenstehende (oder auch enttäuschte und erboste
ehemalige Anhänger), welche in erster Linie darauf abzielt die
eigene Ansicht oder Glaubensüberzeugung als überlegen darzustellen
bzw. die andere „herunter zu machen“. Kritik kann zwar
im Idealfall sowohl intern als auch von außen zu einem hilfreichen
Denkanstoß werden, dies gilt aber kaum für untergriffige
Formen wie Karikaturen und Schmähschriften. Letztendlich ist
diese Form der Kritik nämlich aus der untersten Schublade, bedient
sie sich doch keiner Tatsachen, sondern Oberflächlichkeiten
und gebraucht diese als emotionale Waffe. Und solcher Art sind auch
die Reaktionen darauf: brüllendes Wiehern und Schenkelklopfen
auf Seiten des geneigten Publikums und der Zorn verletzten Stolzes
bei den Ange-griffenen, mitunter sogar noch stärker bei jenen,
die sich diesen auf irgendeine Art und Weise verbunden fühlen.
Anstatt den Dialog zu propagieren, können solche Vorgehensweisen
Fronten nur verhärten oder gar entstehen lassen. Ohne
Kritik - seien wir mal ehrlich - funktionieren unsere Gemeinschaften
auf Dauer nicht und degenerieren. Sie ist und bleibt ein wichtiges
Medium und ist überaus wertvoll, solange sie nicht als Waffe
missbraucht wird. Damit dieses System aber funktioniert, muss auf
allen Seiten gelernt werden. Einerseits der sachliche und respektvolle
Gebrauch von Kritik sowie die Wahl der geeigneten Mittel und andererseits
die Offenheit für eine solche kritische Auseinandersetzung auf
allen Seiten. Nicht zuletzt ist es auch wichtig, eine lösungsorientierte
Diskussionskultur zu schaffen, innerhalb derer Kritik vor allem dazu
da ist, den Anstoß zu geben um gemeinsam Probleme und Differenzen
einer Lösung zu zuführen. Anstatt des gewohnten Wettbe-werbsgedanken
sollte Kommunikationskultur nicht nur bei Erwachsenen, sondern bereits
von Kindes-beinen an trainiert werden. |
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