| Was ist so besonders am Hellenismos | ||
Die Frage könnte auch
lauten: Warum bist du gerade Hellenist, was fasziniert dich daran so? Thales von Milet, so behauptet
Aristoteles, war der Meinung, die Welt wäre erfüllt von Göttern.
Wie das? War nicht gerade Thales einer der ersten jener Zweifler, genannt
Philosophen, die begannen, der
Welt Fragen zu stellen, sie in Frage zu stellen? Und doch schien er ein "religiöser" Mensch
zu sein, der alles voll der Götter sah. Oder ist hinter der Aussage
mehr verborgen als bloße Frömmigkeit oder gar nur Ausdruck
einer Tradition? O nein, die Griechen sahen
ihre Götter weder als alles umgebende
Energiefelder noch als person-ifizierte Naturkräfte, sondern
als Wesenheiten mit ähnlichen Eigenschaften, wie sie sie selbst
hatten, mit dem Unterschied, dass das Göttliche in ihnen natürlich
das Menschliche weitaus überragt. Und diese Götter standen
für die Ordnung in der Welt. |
Griechen
zu diesen Dingen? Wer antike Kunstwerke sieht, Statuen, Vasen oder
Bauwerke, sieht
hier keine schamanischen Jagdszenen, kein verzierendes Gekritzel
oder krude Darstellungen von adipösen Fruchtbarkeitsgöttinnen,
keine Darstellungen riesiger Gottheiten und winziger Menschen, sondern
die harmonische Gestaltung einer realen Welt, in der aber das Göttliche
gegenwärtig ist. Ebenso verhält es sich mit den Dramen
und sonstigen literarischen Werken: Und selbst jene
Dinge, die auch oft beschrieben und abgebildet wurden, die man aber
heute nicht als so positiv sieht, die Beschreibungen von Schlacht und
Kampf, gehörten zu dieser Ordnung. Der antike Grieche, selbst
gerade erst in "seinem" neuen Land sesshaft geworden, muss
es verteidigen, und die einzelnen Stämme, später Stadtstaaten,
hatten mehr Streitereien als Bündnisse – dies anscheinend
als Erbe ihrer protoindoeuropäischen Wanderungszeit. Und dennoch – die
heiligen Stätten waren sicher vor Krieg, Raub und Plünderung,
bis die Perser und später der Imperalismus eines Alexander sogar
diese letzte Grenze zerstörten. Die Orte, an denen man den Göttern
noch näher war als sonst, die Orte der Weissagung wie Delphi,
der Heilung wie Epidauros, der fairen sportlichen Wettkämpfe wie
Olympia – sie waren die Bastionen dieses griechischen Kosmos
und Sinnbilder der Schönheit und Harmonie, die die Griechen anstrebten.
(1) Nach Platon
metaphysische Wesenheiten, die den Dingen innewohnen, nach Descartes
und Locke Grundlage für Vorstellungen, nach Kant die urbildliche
Natur, die der Mensch bloß in der Vernunft erkennt |
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