| Integration: Hellenismos in einer christlichen Welt | ||
Nach meinem ersten Newsletter erreichten mich einige besorgte Meldungen von lieben nicht-hellenistischen Bekannten, welche die Tatsache, dass wir unseren eigenen Glauben haben, anscheinend zuvor erfolgreich verdrängt hatten. Aus diesem Grund möchte ich diese Fragestellungen zum Hauptthema dieser Ausgabe machen. Selbstverständlich werde ich weder Namen nennen, noch allzu persönliche Details zum Besten geben. Ich möchte allerdings ernsthaft auf diverse Fragen eingehen, die so aufgetaucht sind und würde mich über Rückmeldungen dazu freuen. Die Hauptsorge
einiger unserer Bekannten scheint zu sein, dass unser Sohn Kilian
unter unserem Glauben bzw. einer daraus möglicherweise entstehenden
Ausgrenzung leiden könnte. Dieser Gedanke ist uns nicht fremd,
zumal er in „Heidenkreisen“ recht weit verbreitet zu sein
scheint. Immer wieder tauchen auf den einschlägigen Foren Anfragen
bzgl. „Soll ich mein Kind nicht doch lieber taufen lassen?“ bzw
Antworten wie „Also ich hab mein Kind taufen lassen, weil....“ auf.
Seltsamer Weise wird nur nach „taufen“ gefragt, nie nach „beschneiden“ oder
anderen Initiationspraktiken. Was wohl beweist, dass nur Christen es
nötig haben, zu „Heiden“ zu werden – dies bitte
bei den folgenden Gedanken immer im Kopf zu behalten. Ein möglicher Hintergrund, der auch genannt wird, ist die o.a. „Ausgrenzung“.
In Kindergarten und Schule, so heißt es dann, würde Kilian
wohl nicht integriert werden. Nun ist es meines Erachtens ja eher so,
dass Kinder aus allen möglichen Gründen von anderen Kindern
ausgegrenzt werden, am wenigsten wohl wegen ihrer Religionszugehörigkeit.
Da sind viel mehr Dinge wie Sportlichkeit gefragt, um dazu zu gehören,
oder auch diese besondere Gabe, andere durch "gute Ideen" (Streiche,
Mutproben) anzuziehen, oder andere (soziale) Talente und Fähigkeiten.
Und was die Religion angeht, so ist es heute doch wohl so, dass immer
mehr Leute aus der Kirche ausgetreten sind. "Wenn er soweit weg von landesüblichen Bräuchen erzogen wird, werden Eltern anderer Kinder eher den Umgang ihrer Kinder mit ihm einschränken", haben wir gehört. Nun frage ich mich, was "landesübliche Bräuche" sind, bzw ob das Christentum mittlerweile eh schon zum "Brauch" deklassiert ist. Abgesehen davon, werden wir Kilian sicher nicht die Teilnahme an (echten) "Bräuchen" (zB Faschingsumzügen) verbieten, sondern sind ganz im Gegenteil bestrebt regionales Brauchtum in unsere eigenen Gebräuche zu integrieren. Auch spricht für uns nichts dagegen bzw. fühlen wir uns nicht bedroht, wenn Kilian an einem christlichen Gottesdienst (sei es mit anderen Verwandten oder Kindergarten/Schule) teilnimmt. Daher finde ich das oben genannte Argument ziemlich undifferenziert und ohne Hinzunahme von Vermutungen über die eigentliche Bedeutung nicht zu beantworten. Ich bin gerne bereit, diesbezüglich auftauchende Anfragen von "besorgten Eltern" zu beantworten, es ist allerdings ziemlich sicher, dass diese nicht eintreffen werden, weil sich wohl niemand gerne offen auf eine derartige Diskussion einlässt. Derartige Probleme werden wohl eher hintenherum angesprochen (um nicht von „Klatsch und Tratsch“). Und gegen solch feige Intoleranz ist schwer anzukommen. Sie aber von vorneherein auszuschließen ist absolut unmöglich. |
Was
die "landesüblichen
Bräuche" betrifft (konkret ging es wohl um den "Brauch" Weihnachten),
verstehe ich nicht, wo der große Unterschied zwischen unserer
Feier und der allgemein üblichen "christlichen" ist.
Im Übrigen sind diese Dinge sowieso immer verwaschener, die Kinder
bekommen vom TV sowieso nur mehr mit, dass die Geschenke vom Weihnachtsmann
kommen, Christkind gibt es keines mehr, und was bitteschön hat
der Weihnachtsmann mit Jesu Geburt zu tun? Vielleicht sollte ich mich
einmal erkundigen, was die Kinder in der Volksschule heute so über
Weihnachten hören, bzw wie die Religionslehrer den Weihnachtsmann
erklären. "In Wirklichkeit
schränkt ihr dadurch seine Wahlmöglichkeit und Entfaltungsmöglichkeiten
in spirituellen Belangen ein. Er wird nicht verstehen, wieso bei ihm
daheim alles so anders ist" Darüber hinaus scheint eine unausgesprochene Äußerung in der Luft zu hängen, die man vielleicht folgendermaßen formulieren könnte: „Was tut ihr euch das mit der Religion eigentlich an? Ist eh doch alles Schein und dabei geht es doch nur um den richtigen nach außen hin.“ Religion und Religiosität scheint zur Zeit abgesehen von Randgruppen und Minderheiten völlig „aus der Mode“ zu sein. Wer sich Gedanken über seinen Glauben macht, wirkt heute eigenartig! Und wer seinem Glauben gerne nach geht, anstatt sich nur "dazu gezwungen zu fühlen" und nur das zu machen "was von einem ja erwartet wird/ was man halt so machen muss", der ist dabei natürlich höchst verdächtig. Dies gilt für besonders engagierte Christen genauso wie für die Angehörigen anderer Religionen. Dabei reicht die Abstufung von einem eher harmlosen „sich lächerlich machen“, bis hin zu einem auffälligem Fanatismus und Sektengefahr, die ja angeblich überall lauert. Die einzige Möglichkeit dieser Wirkung aus dem Weg zu gehen ist, seinen Glauben ins „Besenkammerl“ zu stellen und auch nur dort auszuleben. Wer sich in der Öffentlichkeit nichts anmerken wird, der fällt auch nicht so auf. Was aber erwarten
nun so besorgte Stimmen, wenn sie ihre Meinung äußern? Konkrete
Vorschläge und Alternativen werden leider selten bis gar nicht
geäußert, daher bleibt nur zu überlegen, welche Möglichkeiten
uns offen stehen: a)
Kilian taufen lassen und so tun als wollten wir ihn christlich erziehen Was sich für
mich in diesen Diskussionen immer wieder zeigt: Eigentlich schade, dass so etwas in einem Land, das angeblich die Freiheit der Religion in seiner Verfassung und seinem Staatsgrundgesetz verankert hat, überhaupt besprochen werden muss. |
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