| Okeanos |
In
der Mythologie nimmt Okeanos oder auch Ogenos nicht
immer dieselbe Stellung ein. Zu den ältesten Varianten zählen
aber vermutlich jene, die ihn durchaus an den Anfang stellen. So bezeichnet
auch Homer Okeanos unter anderem als „Ursprung der Götter“ oder
gar „Ursprung von allem“. Nicht Meeres-gott ist er, wie
manch einer meinen möchte, sondern vielmehr Flussgott. Dabei ist
er aber nicht der Gott eines Flusses, sondern er ist vielmehr der Inbegriff
des Stromes. Okeanos ist zu-gleich Gott bzw. Titan und auch jene ursprüngliche
Kraft und Bewegung, die dem Lebensquell Wasser inne wohnt. In der Überlegung,
dass alles Leben dem
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Wasser
entstieg, die Oberfläche unseres Planet, ja sogar wir selbst überwiegend
aus Wasser bestehen wird die ursprüngliche Macht des Okeanos mehr
als offensichtlich. Okeanos entspringt laut Mythologie in der Unterwelt
und umschlingt die Welt als begrenzender, ewig bewegter Strom. Gleichermaßen
ist er der Ursprung aller Quellen, Bäche, Flüsse und Meere
sowie der Regenwolken und er durchfließt auch uns und alle Lebewesen.
Aufgrund der astronomischen Erkenntnisse und den „neu entdeckten“ Weltteilen
wurde bereits in hellenistischer Zeit die Idee eines Stromes am Rande
der Welt bzw. sein angenommener Standort mehr oder weniger verworfen,
wonach Okeanos seine ursprüngliche Bedeutung verlor und mit der
Obhut des atlantischen und nunmehr auch erreichbaren indischen Ozeans
betraut zu einem „einfachen“ Meeresgott wurde. Dies schlägt
sich auch in den Darstellungen des Okeanos nieder, welcher ursprünglich überwiegend
stierköpfig mit einem schlangenartigen Fischschwanz abgebildet
wurde, später jedoch ein wesentlich menschlicheres Antlitz erhält
mit Hörnern, die wie Krabbenzangen geformt sind. Die Attribute
des Okeanos sind übrigens Schlange und Fisch gleichermaßen.
Ihm zur Seite steht seine Gattin und Schwester Tethys, welche vor allem auf Mosaiken häufig mit einer geflügelten Stirn dargestellt ist. Dies ist wohl ein Hinweis, darauf, dass sie die Mutter der Regenwolken ist. Ihr Name kann mit Großmutter oder auch Amme übersetzt werden. Es soll ihrer Vermittlung zu verdanken sein, dass über unterirdische Höhlen das Landesinnere mit dem Wasser des Okeanos versorgt wird. Gemeinsam gelten Okeanos und Tethys als Eltern der Potamoi (der Flussgötter), der Okeaniden (der Quell- und Brunnennymphen). Mitunter werden auch so namhafte Personen wie Metis, Eurynome, Kalypso und etliche andere als Nachkommen des Okeanos angeführt. Die Brüder Prometheus und Epimetheus sollen durch seine Tocher Klymene seine Enkel sein, ebenso wie Atlas, über den wir noch berichten werden. Einen Okeanos-Kult in dem Sinne gibt es freilich nicht, wie die kultische Verehrung von Titanen generell eher mager gesät ist. In der orphischen Hymne „Dem Okeanos“ (1) wird er allerdings besungen wie folgt: |
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Okeanos rufe ich, den unvergänglichen Vater, du wahrhaftig Ewiger, Ursprung der unsterblichen Götter und der sterblichen Menschen, der du die Erde umwogst als umgrenzender Kreis, aus dir stammen alle Flüsse und alle Meere, und die heilige Feuchtigkeit, die den Erden entströmt. Höre, Seliger, Spender von so Vielem, der großen Götter Reinigung, freundliche Grenze der Erde, Beginn des Himmelsdaches, Herrscher der Wasser, zu den anwesenden Mysten komme wohlwollend und freundlich. |
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(1) Übersetzung von Ewald K Strohmar, Akesios |
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