| Göttermutter Rhea |
Rhea,
die Tochter des Himmels (Uranos) und der Erde (Gaia), gehört zum
Geschlecht der Titanen, ebenso wie ihr Bruder und Gemahl Kronos, welcher
nach der Entmachtung des eigenen Vaters dessen Platz an der Spitze
der kosmischen Regentschaft antrat. Mythologisch tritt sie eigentlich
nur einmal in Erscheinung und zwar als Mutter der ersten sechs Olympier.
Der Mythos erzählt, dass ihr Gatte aufgrund einer Prophezeiung
die göttlichen Kinder, welche sie ihm gebar, direkt nach deren
Geburt verschlang. Als ihr dritter Sohn geboren werden sollte verbarg
sich Rhea aber vor Kronos und brachte das Kind, Zeus, auf der Erde,
auf Kreta zur Welt. Anstelle des Säuglings, reichte sie ihrem
Gatten auf dessen Verlangen hin dann einen in Windel gewickelten Stein,
welchen dieser sofort verschlang. Zeus aber wuchs zu einem strahlenden
jungen Gott heran und mit der Hilfe seiner Mutter und Geschwister,
welche er befreien konnte, gelang es ihm seinen Vater zu unterwerfen
und die Herrschaft über den Kosmos zu erringen. |
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Letztendlich ist es also Rhea, durch welche die Herrschaft des olympischen Geschlechtes seine Legitimation erhält. In ihrer mythologischen Handlungs-weise sorgt sie für die Erfüllung jener Prophezeiung, welche dem Kronos das Ende seine Herrschaft und seine Ablösung durch seine eigenen Nachkommen ankündigt Ihre Rolle als Königin der Götter übt Rhea daraufhin der Mythologie zufolge nur mehr auf der Insel der Seligen an der Seite des Kronos aus, die Regentschaft über Himmel, Erde und Meer jedoch hat sie an eine ihre Töchter, an Hera weiter gegeben welche ihrem Brudergemahl Zeus als Götterkönigin zur Seite steht. In der lat |
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Umschrift bilden die Namen der beiden Göttinnen übrigens zufälligerweise ein Anagramm (1). Der
Name der Titanin Rhea leitet sich mit großer Wahrscheinlichkeit
vom altgriechischen Verb rheo (=fließen bzw. Fluss)
her. Sie ist es, welche den Fluss des Lebens bewahrt. Indem sie verhindert,
dass ihr Gemahl auch ihren jüngsten Sohn verschlingt, sorgt
sie in letzter Konsequenz dafür, dass das Lebensrad sich weiter
dreht, das Alte vom Neuen abgelöst wird, wie dies immer der
Fall sein muss, solange das Leben weiter fließt. Rhea repräsentiert
den steten Fluss der Zeit ebenso, wie jenen der Generationen. Sie
steht für jene grundlegende Konstante unserer Existenz, dass
nämlich Nichts auf immer so bleiben kann, wie es ist. |
In ihren Kulttiteln und Beinamen ist Rhea in erster Linie Mêtêr (= Mutter), als Mêtêr Theon (= Göttermutter), oder auch einfach als Mêtêr Megalê (= große Mutter) oder gar Mêtêr Pantôn (= Allmutter). Als diese große Mutter kommt ihr im Kult auch meist eine besondere Bedeutung für die weibliche Fruchtbarkeit zu. Zumeist wird sie aber an der Seite ihres Gemahls Kronos verehrt. Besungen wird die Titanin unter anderem von Homer in dessen 14. Hymne. Von den Orphikern kennen wir gleich zwei Hymnen, welche an Rhea (Nr. 14) und an die Meter Theon (Nr. 27) gerichtet sind. In
der Plastik und Malerei wird Rhea manchmal in ihrem (Streit-)Wagen
fahrend und manchmal auf ihrem Thron sitzend dargestellt. Begleitet
wird die Titanin dabei zumeist von Löwen, die manchmal auch
ihren Wagen ziehen. Auf ihrem Haupt trägt sie die Mauerkrone.
Die edlen und kräftigen Tiere gelten als ein wichtiges Symbol
ihrer Macht, schließlich kennen Löwen, von den bewaffneten
Menschen einmal abgesehen, keine natürlichen Feinde und werden
auch heute noch als die Könige der Tiere bezeichnet. |
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