| Die Titanen |
Sie sind die Söhne und Töchter von Uranos, dem Himmel, und Gaia, der Erde. Gemäß einem griechischen Schöpfungsmythos treffen Gaia und Uranos als urzeugende Kräfte zusammen. Erst ihre Söhne gebieten dieser unglaublichen Zeugungskraft Einhalt, indem vier von ihnen, Hyperion im Westen, Iapetos im Osten, Koios im Norden und Krios im Süden den Himmel über der Erde halten und somit verhindern, dass diese sich immer wieder vereinigen können. Kronos folgt dem Rat seiner Mutter Gaia und entmannt den Vater mit einer Sichel. In weiterer Folge erwirbt er sich somit die Herrschaft und Gestaltung des Kosmos. Im zur Seite steht seine Schwestergemahlin Rhea und seine Geschwister, die anderen Titanen. Übrigens ist es auch unter der olympischen Herrschaft notwendig den Himmel von der Erde getrennt zu halten, welche Aufgabe dem Titanen Atlas auferlegt wird. Allein sprachlich sind die Titanen in unserer Vorstellung tief verankert. Zittern wir nicht schon innerlich, wenn wir „titanisch“ hören. Egal wie gut oder schlecht wir die Mythen kennen, egal ob wir die Namen einzelner Titanen nennen können oder nicht, wir verbinden diesen Begriff mit einer schier unendlichen Macht. Von einer handvoll Mythen beeinflusst, erscheinen uns die Olympier als mächtige Götter, aber die Titanen als regelrechte Naturgewalten. Die Regeln menschlicher Vernunft und menschlichen Verhaltens, wie wir sie von der Zeusfamilie kennen, scheinen für die ältere Göttergeneration teilweise nicht zu gelten, nicht weil die Titanen ihrer nicht habhaft werden könnten, sondern weil sie schlicht und ergreifend über ihnen stehen. Die
Titanen selbst sind ursprünglich und scheinen unberechenbar.
Ihre Macht ist groß, erhält die Welt und ihr Geschehen
am Laufen. Als Gegenspieler der Olympier könnte man leicht darauf
verfallen, sie als böse wahrzunehmen, was sich durch ihre mythologische
Verbannung in den Tartaros bekräftigen ließe . Dies jedoch
wäre eine gänzlich falsche Annahme. Tatsächlich war
es einfach eine notwendige Entwicklung, welche die Titanen ihrer
Macht beraubte. Jene, die sich hinter Kronos stellten und gegen Zeus und seine Verbündeten auftraten, wurden nach dem zehn Jahre dauernden Kampf zuerst einmal in den Tartaros, die Unterwelt, ein sehr „beliebter“ Kerker für Götter, verbannt. Manche Titanen, insbesondere jene, die sich aus dem Kampf der Generationen heraus gehalten hatten, behielten auch in der Weltenordnung des Zeus ihren Platz und ihre Aufgaben. Selbst Kronos wurde sozusagen nach einer Aussöhnung mit seinem Sohn quasi rehabilitiert und erhielt immerhin die Herrschaft über die elysischen Gefilde, dem Ort der Seligen unserer Mythologie, wo sein goldenes Zeitalter fortbesteht. |
Die Titanen finden sich in manchen heutigen Begriffen wieder und standen sogar bei der einen oder anderen Namensgebung Pate: -
Der Begriff des Titanismus, bezeichnet den Glauben daran, alles beherrschen,
unendliche Perfektion erreichen und allem auf den Grund gehen zu
können. Die Orphische Hymne „Den Titanen“ (1) lautet folgendermaßen: Titanen,
herrliche Kinder Nach
diesem allgemeinen Artikel über das Geschlecht der Titanen,
möchte ich mich in den kommenden Ausgaben jeweils gerne näher
auf einzelne Titanen bzw. Titanen-Familien kon-zentrieren. Wie bereits
bei den Olympiern wird wieder das Los die Wahl treffen, welche Gottheit
jeweils präsentiert werden wird. -------------------------------------------------- (1) Quelle: Orpheus – Altgriechische Mysterien, übertragen und erläutert von J.O.Plassmann, erschienen 1982 in „Diederichs gelbe Reihe“ |
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