Der Gott Ares

Ares ist ein Gott, bei dessen Namensnennung jeder zu wissen glaubt, was ihn ausmacht, nämlich nur eines: der Krieg. Er ist der griechische Gott des Krieges, ja das stimmt. In diesem „Tätig-keitsbereich“ ist er aber nicht der Einzige unter den Olympischen und im Zweifelsfall sind sowieso alle Götter dazu bereit eine Schlacht zu schlagen, allerdings meist mit leicht abweichenden Methoden. Für Ares ist der Kampf allerdings so etwas wie der Lebensmittelpunkt.

Als einziger, gemeinsamer Sohn des olympischen Königspaares Hera und Zeus müsste Ares eigentlich der rechtmäßige Prinz der Familie sein. Dennoch ist es anscheinend noch niemandem eingefallen in ihm den Erben der Macht und den Begründer eines neuen Zeitalters anzunehmen. Diese Positionen werden wohl eher einigen seiner Halbgeschwister zugeschrieben wie z.B. Athene oder Apollon. Ich bezweifle aber, dass dies Ares sonderlich kümmert, der seine Aufgaben voller Hingabe erledigt, brutal sein kann, aber nicht machthungrig im wörtlichen Sinne ist.

Auch wenn es kaum ein Pantheon ohne krieger-ische Götter gibt, so kann man durch die Existenz eines Kriegsgottes wohl durchaus auch auf die Bedeutung des Kampfes für eine Gesellschaft Rückschlüsse ziehen. Ares steht übrigens nicht für den Kampf aus Berechnung sondern vielmehr für den Kampf aus Leidenschaft, wozu z.B. die Verteidigung gehört. Das ist ein sehr weites Feld angefangen von der Verteidigung der eigenen Lebensgrundlagen, über die Verteidigung der Familie und weiterführenden Gemeinschaft bis hin zur Verteidigung von darüber hinaus gehendem Hab und Gut.

Ares wird in der Kunst häufig als bärtiger Krieger in voller Kriegsmontur oder als nackter Jüngling mit Helm und Speer dargestellt. Darüber hinaus gibt es kaum Attribute, was eine eindeutige Identifizierung von Darstellungen des Gottes teilweise erschwert.
Im römischen Götterhimmel gilt ihm Mars als Entsprechung, was allerdings eine recht wackelige Interpretation ist, da Mars auch einen stark ausgeprägten Bezug zur Fruchtbarkeit hat, welche Ares eher nicht aufweist. Dafür zeigt seine mythologische Verbindung zur Göttin Aphrodite, dass die Leidenschaft der Liebe und die Leidenschaft des Krieges oft nur einen kleinen Schritt voneinander entfernt sind.
Der Beiname Gynaikothoinasea (= von den Frauen gefeiert) weist übrigens - für uns eher überraschend - darauf hin, dass es häufig im Speziellen die Frauen waren, welche den Kult des Ares pflegten. Das würde man bei einem Kriegsgott wohl nicht wirklich erwarten. Sein Kulttitel Thêritas (=der Bestialische bzw. Brutale) scheint da wesentlich leichter verständlich. Auch Hippios (=der Pferde)
ist aufgrund der vielseitigen Einsetzbarkeit dieser Tiere durchaus nach-vollziehbar. Ares ist aber auch der Aphneios (von: reichlich, opulent, Überfluss), was vielleicht doch

 

ein wenig in Richtung jener Fruchtbarkeit weist, welche wir vom römischen Gott Mars kennen.

Köhlmeier bezeichnet Ares schlicht als kriegs-lüsternen Raufbold und schildert ihn als Schlagetot, der bedenkenlos auf seinen Gegner eindrischt, von ihm ablässt, damit dieser sich erholen kann nur um dann wiederum auf ihn einschlagen zu können (1). Das entspricht übrigens auch ein wenig meinen Vorstellungen des Gottes. Die totale Vernichtung eines Gegners macht für Ares keinen Sinn. Wer sollte einen großartigen Sieg belegen, wenn nicht der unterlegene Feind und wer weiß, der Verlierer von gestern kann ja morgen schon auf einem anderen Schlachtfeld der würdige Gegner sein. Der Krieger braucht den Kampf. Ist einmal der letzte Gegner vernichtet, gibt es auch für den Krieger keine Verwendung mehr und das wäre niemals im Sinn des Ares.
Ich würde ihn nicht als „böse“ oder dergleichen bezeichnen, aber er gehört für mich zu jener Kategorie von Kämpfern, mit denen ich lieber weniger zu tun habe. Rein persönlich ziehe ich seit jeher die List der körperlichen Aggression vor, in meinen großen Helden und auch den kleineren kriegerischen Auseinandersetzungen, die ein Jeder einmal zu bewältigen hat. Ob es besser ist oder weniger grausam, mag bezweifelt werden. Wer das „Hinten-Herum“ am eigenen Leib erleben durfte, würde den offenen Kampf vermutlich vorziehen. Heutzutage überwiegt besonders in der Politik eine grauenhafte Mischung aus roher Gewalt und Machtgier, die sich gerne auf listige Weise von hinten anschleicht. Aber auch im Kleinen herrscht Kriegslust wobei sich die Methode des Mobbings hier scheinbar eingebürgert hat, die eher einer hinterhältigen Totalvernichtung gleich kommt, als einer fairen Schlacht. Der offene Kampf dagegen, wie ihn Ares unterstützen würde, ist hingegen allgemein verpönt. Wahrscheinlich bieten wir diesem großen Gott immer wieder Anlass genug für ein irritiertes Kopfschütteln.

(1) Quelle: „Die besten Sagen des klassischen Altertums“ von Michael Köhlmeier

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