| Hephaistos | ||
Die Geburt
des Hephaistos ist alles andere als strahlend. Ein Mythos statuiert
sogar, dass Hera ihrem Gatten beweisen wollte, dass
sie ihn nicht benötigt und aus diesem Grund ihren Sohn in Parthenogenese
(1) gebar. Als sie jedoch den ungestaltigen Hephaistos erblickte, warf
sie diesen entsetzt vom Olymp. In einer anderen Erzählung wird Zeus
doch als Vater des Gottes genannt, jedoch war es wohl der ungünstige
Zeitpunkt seiner Geburt, bevor die Machtverhältnisse endgültig
geklärt waren, welcher seine Mutter dazu veranlasste Hephaistos
schamhaft zu verbergen. In wiederum einem anderen Mythos ist es Göttervater
Zeus, welcher den Sohn vom Olymp schleudert als dieser sich in eine Auseinandersetzung
zwischen ihm und Hera einmischt und für seine Mutter Partei ergreift. Auch wenn Hephaistos in erster Linie für sein handwerkliches Geschick bekannt ist, so ist er nicht der Prolet, der „Hackler“, als der er manchmal missverstanden wird. Er ist nicht derjenige, der einfach nur Befehle befolgen kann, sondern er ist vielmehr sein eigener Herr. Nicht die fließbandartige Erzeugung von Gebrauchsgegen-ständen ist sein Metier, sondern das Außer-gewöhnliche. Hephaistos mag als der Schmied der Götter betrachtet werden, aber sein Aufgaben-bereich reicht weit darüber hinaus. Er ist Tüftler, ist Künstler und Schöpfer, Vordenker und Erfinder. Er bleibt nicht bei abstrakten, gedanklichen Strukturen, sondern packt an und setzt seine Theorien um. Hephaistos ist der Bildhauer, der im Schweiße seines Angesichts, jene Skulptur, die er in dem rohen Marmorblock erkennt, auch aus diesem zu befreien weiß. Er ist hartnäckig und unermüdlich, wenn es um die Arbeit geht. Er scheut sich nicht davor sich die Hände schmutzig zu machen. Zu den bekanntesten
Arbeiten des Hephaistos zählen
unter anderem: Hephaistos ist der geniale, fast schon schurkenhafte Wissenschaftler. Er ist ein krummer Gott, der seine listigen Ideen umzusetzen weiß. Hephaistos ist |
weder das strahlende
Ideal von einem Helden noch der dunkle Superschurke. Der Gott muss sich
nicht für eine „Seite“ entscheiden,
denn seine Welt ist sein Handwerk. Seine Schöpfungen sind weder gut
noch böse. Hephaistos ersinnt und baut das erste Rad oder die schrecklichste
Waffe, ohne besonderen Hintergedanken, ganz einfach weil er es kann. Macht
ist niemals das Ziel, höchstens Genugtuung, wie zum Beispiel auch
jene mythologische Erzählung berichtet in welcher er einen Thron für
seine Mutter Hera baut, welcher sie daran hindert auf zu stehen, sobald
sie sich einmal an den Tisch gesetzt hat. Dadurch übt er nicht nur
Vergeltung dafür, dass er verstoßen wurde, sondern entlarvt
auch Heras Schwäche für die olympischen Festgelage. Nichts desto trotz wird Hephaistos sowohl im Olymp von den Göttern als auch von den Menschen für seine Talente und seinen Einfallsreichtum ge- und verehrt. Ganz von seinem Schlag ist auch die Nach-kommenschaft des rauen Hephaistos, sowie jene Götter und Helden mit denen er sich umgibt oder die sonst mit ihm in Verbindung gebracht werden, darunter zum Beispiel die Kabiren, Erichthonos, der Bildhauer Ardalos oder auch der Räuber Periphetes.
(1) Der Begriff Parthenogenese wird abgeleitet von den griechischen Begriffen für „Jungfrau“ und „Entstehung/Geburt“ und bezeichnet die eingeschlechtliche Fortpflanzung, welche also ohne Sexualpartner auskommt |
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