| Göttervater Zeus | ||
| „Es ist ein wunderschöner, sonniger Sommertag.
Gemütlich sitze ich auf einer Lichtung an einem Berghang und blicke
auf das Tal hinab. Rund um mich wachsen Moschbeerstauden (=Heidelbeeren)
und immer wieder wandert eine der Beeren in meinen Mund. Der Tag ist
perfekt und ich bin auch nicht alleine. Manch einer mag mir absprechen, dass sich ausgerechnet
der höchste
aller Götter dazu herab lässt mit mir zu plaudern. Ich will
auch gar nicht darauf beharren, aber eines ist klar, diese Traumbegegnung
hat einiges für mich geändert. Ich habe endlich einen Zugang
zu diesem Gott gefunden und kann mich darauf einlassen ihn kennen zu
lernen. Zuvor hat mich meine Angst vor Gewittern (hauptsächlich
Blitzschlag und Feuer) regelrecht abgeschreckt, mich mit dem Blitze schleudernden
Zeus zu beschäftigen. Auch die Vorstellung eines mahnenden „Gott-Vater“ nach
christlichem Vorbild war kaum dazu angetan mein Interesse zu erwecken.
Und was die Mythen angeht, so muss ich doch sagen, dass ich überhaupt
nicht auf Schürzenjäger stehe. |
Man sollte auch nicht jene Beinamen des Zeus vergessen, die ihn als Wettergott benennen, zum Beispiel als Nephelegretes, der die Wolken sammelt, als Keraunos, der Blitzeschleuderer oder als Ombrios (Regen). Einige seiner Beinamen beziehen sich auf Orte und besondere Regionen, in Verbindung mit verschiedenen Geburtsmythen des Zeus und seine bekanntesten Kultstätten. Und natürlich ist er auch einfach Zeus Hellenios, der Gott der Griechen. In
den meisten Darstellungen erscheint Zeus als Mann mittleren Alters
mit gepflegtem, wallendem
Bart und wäre leicht zu verwechseln mit seinem Bruder Poseidon,
wären da nicht seine besonderen Attribute wie Blitzbündel,
Zepter und Adler. Die heute bekannteste Statue des Zeus ist wohl jene
Sitzfigur des Phidias von über zwölf Metern Höhe, die
zu den sieben Weltwundern der Antike zählte und im Tempel in Olympia
aufgestellt war. Von dem prächtigen Kultbild sind allerdings nur
Beschreibungen und Rekonstruktionen erhalten, nachdem dieses 475 nach
unserer Zeitrechnung bei einem Brand in Konstantinopel zerstört
worden war. Zeus wird allerdings vielfach auch nicht einfach nur als personale Existenz begriffen, sondern ebenso als Geschehen. Kerenyi schreibt in seinem Aufsatz „THEOS – Gott auf Griechisch“ folgendermassen: „Das große Geschehen, das Zeus heißt, ist das Aufleuchten ohne Unterscheidung, was immer es auch sei: das große Geschenk für die Menschen, die dafür offen sind. Es ist die göttliche Epiphanie vor dem ausgeführten Mythos, der ausgeführten Offenbarung, oder wie man das Ausgeführte nennen will.“ (2) Dies ist unter anderem jene Wahrnehmung, die Zeus zum Beginn selbst macht. Vielzählig können somit unsere Begegnungen mit Zeus sein, wenn wir dafür bereit sind und diese erkennen. Ich habe mir außerdem ein wenig Gedanken gemacht, wie der Zeuskult in Zukunft aussehen könnte. Von gemeinsamen Festen mit anderen Hellenen abgesehen, wäre es toll ein Heiligtum zu haben. Ein ordentlicher Tempel, wie er Zeus gebührt, ist hier bei uns wohl eher als utopisch zu betrachten, wenn auch eine wunderschöne Vorstellung. Mir schwebt in erster Linie ein (oder mehrere) eigenes „Marterl“ vor. Hier am Land ist man es gewohnt, auf Spaziergängen an allen Ecken und Enden auf Bildstöcke, Marterln, Kreuze und Miniaturausgaben von Kapellen zu treffen. Wie schön wäre es da, in fußreichweite ein eigenes solches Klein-Heiligtum zu errichten, welches man pflegen und versorgen kann und welches zugleich ein äußeres, öffentliches Zeichen unseres Glaubens wäre. Abschließen möchte ich diesmal mit einer zufälligen Äußerung unseres Sohnes Kilian, die mir durchaus bedenkenswert erscheint: „Götter ist Zeus.“
(1) Zum griechischen
Verständnis des Begriffes „Freiheit“ empfehle ich
u.a. „THEOS – Gott auf Griechisch“ von Karl Kerenyi |
|
| Copyright by Sandra Mauler | ||