Hermann: Das kleine Ferkel
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Ein kleines Ferkel ist in aller Munde, und es handelt sich nicht um ein zart gebratenes Spanferkel, sondern um ein literarisches: das Kinderbuch (?) "Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel", auf dem in der Presse sowie in einigen von eurem Hermann besuchten Internet-Foren derzeit heftig herum gekaut wird.

Da der Verlag zu Diskussionszwecken beschlossen hat, den Text auf Englisch im Web zu veröffentlichen, hat ihn sich euer Hermann soeben zu Gemüte geführt: Also, es wundert mich ja nicht, dass sich die Pros uns Kontras in ihrem Eifer überschlagen.

Kurz zur Geschichte: Da sitzen also zwei unbeschwerte Viecherlen, Ferkel und Igel, und haben's lustig in ihrer Badewanne. Bis sie ein Plakat entdecken "Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas" und beschließen, diesen Herrn zu

suchen. Der schlaue Fuchs erzählt ihnen, einmal gehört zu haben, dass sich die Menschen auf dem Tempelberg ständig drüber streiten, in welchem ihrer Häuser Gott nun wirklich wohnen würde. Also gehen sie dort hin und treffen (um es mal á la Hollywood zu sagen: in order of appearance) den Rabbi, den Bischof und den Mufti und lassen sich jeweils deren Religion erklären, um am Ende zum Ergebnis zu kommen "Wer Gott kennt, dem fehlt etwas" (nämlich im Oberstübchen).

Was aber sagt der Hausverstand? Das Buch arbeitet mit subtilen Methoden, um ganz treu den üblichen Argumenten eingefleischter Atheisten, zu erklären, warum Religionen Müll sind. Zuerst mal werden die Funktionäre der Religionen als Menschen dargestellt, nicht als nette Tierchen, d.h. Religion scheint für die Autoren etwas völlig Andersweltliches zu sein. Oha, ein Ferkel und ein Igel, ja die dürfen sowieso nicht in die Synagoge, sie sind ja unreine Tiere. Und der Rabbi erzählt ihnen noch dazu die Geschichte von der Sintflut, die sein rachsüchtiger Gott geschickt hat, um alles Leben (inkl. aller lieben Tierchen) zu vernichten, weil die Menschen andere Götter angebetet hätten. Die Tierchen fragen unschuldig, ob es denn andere Götter auch gäbe. Nein, meint der Rabbi, die haben sich die Leute damals nur eingebildet. Aha, aber vielleicht bildet ihr euch euren Gott auch nur ein? ist die Konklusio in typischer Atheisten-Logik. Spätestens jetzt (wenn nicht schon vorher, angesichts der Illustration des Rabbi, der den Juden-Karikaturen aus der Nazizeit verdammt ähnlich sieht), hat sich der pädagogische Wert des Buches auf die Ebene des Struwwelpeters verflüchtigt.


Ähnlich geht es weiter mit einem Bischof (klar: die Karikatur eines feisten Pfaffen aus dem Simplicissimus), der sich natürlich auch justament ein Thema aussucht, das jeden Atheisten zum Kotzen bringt: dass Jesus mit seinem Blut den Menschen von den Sünden gereinigt haben soll; und einem islamischen Mufti (muss ich es noch sagen, wie der aussieht?), dessen Botschaft es ist, dass man fünf Mal täglich beten muss und sich vorher gründlich reinigen, was die lieben Tierchen natürlich abschreckt.

Alle drei Religionen werden also mit Botschaften dargestellt, die selbst den eigenen Anhängern die Schweißperlen auf die Stirn treiben. So als ob man einem Volksschüler die Liebe zur Mathematik nahe bringen wollte, in dem man ihm zum Einstieg die Infitesimalrechnung erklärt.

"Wo bitte geht's zu Gott? fragt das kleine Ferkel"
Gefinkelt, sehr gefinkelt. Somit wäre bewiesen, dass Religionen seltsame Regeln haben, und es besser ist, darauf zu pfeifen, denn ohne Regeln lebt sichs besser. Vielleicht kommt als Fortsetzungsband ja "Wo bitte geht’s zum Bundeskanzler?", in dem Regierungen für unnötig erklärt werden. Das Buch ist geeignet für alle, die in Religionen nichts anderes sehen als starre Strukturen, seltsame Vorschriften und mysteriöse Zusammenhänge.

Nicht geeignet ist es jedoch für alle, die glauben, dass "religion is not about getting information about God. Religion is about community" (Rabbi H. Kushner).

Copyright by Ewald K Strohmar (Akesios)

 
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