Die
Götter kennen lernen |
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Viele
von uns sind im Glauben an einen einzigen Gott erzogen worden und finden
sich daher anfangs nur schwer im bunten
Götterhimmel des Hellenismos zurecht. Das ist so ähnlich als
wäre man versehentlich auf einer Party gelandet und steht einem Haufen
unbekannter Menschen gegenüber, die einen neugierig beäugen.
Unsere Götter sind eine regelrechte Großfamilie voller unterschiedlicher Charaktere mit den verschiedensten Beziehungen untereinander. Vor allem, wenn man sie noch nicht so gut kennt, kann einen die große Vielfalt und Buntheit einschüchtern. Man sollte sich dadurch aber nicht unterkriegen lassen, denn es lohnt sich, die Götter kennen zu lernen. Hier ein paar Tipps und Vorschläge, wie man in Kontakt zu den Göttern kommt. Vorab möchte ich aber darauf hinweisen, dass man sich selbst nicht überfordern, sondern lieber in kleinen Schritten vorgehen sollte. Such dir erst einmal eine Gottheit aus und nimm dir einen Zeitraum vor, dem du der Erfahrung dieser Gottheit widmest und danach kommt der/die Nächste an die Reihe und so weiter. |
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| Mythen und Hymnen | ||
Lies
Mythen (1) über die Gottheit, mit der
du dich gerade beschäftigst. Bei diesen Geschichten handelt es sich
zwar nicht um historische Erzählungen, die wir unbedingt 1:1 glauben
müssen, aber es lässt sich sehr viel darüber in Erfahrung
bringen, wie die alten Griechen die Götter wahrgenommen haben. Man
kann Vieles über die Eigenschaften und (spirituellen) Aspekte der
Götter aus den Mythen und Erzählungen heraus lesen. Wenn du
Literatur liebst, dann traue dich ruhig auch einmal an die Originaltexte
(2) aus der
Antike heran. Seien es die Texte Homers oder auch die zahlreichen lyrischen
Texte und Dramen von anderen antiken Autoren.
Bedenke stets, dass die Texte von Menschen verfasst wurden und damit einen engen Bezug zur damaligen Zeit haben. Politik, Wissenschaft, Kunst und Religion gingen in der Antike nahtlos ineinander über und waren nicht wie heute getrennte Lebensbereiche. Außerdem solltest du dir auch darüber im Klaren sein, dass Mythologie nicht das Gleiche wie die hellenistische Theologie ist. Mythen bieten poetische Beschreibungen von Göttern und Helden. Es handelt sich wohl um die Behandlung verschiedener Glauben- |
themen, jedoch immer vom Standpunkt ihrer Autoren aus, daher muss es nicht gezwungenermaßen bedeuten, dass sie sich mit der Sichtweise der offiziellen Religion decken. Versuche trotzdem aus den Erzählungen und Lobgesängen Informationen über
die einzelne Gottheit heraus zu finden: Dir
fallen bestimmt einige weitere Fragen ein, auf deren Antworten du Hinweise
in der griechischen Mythologie finden kannst. |
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| Antike Darstellungen | ||
Nicht
nur die griechischen Texte sind interessant, sondern auch die bildhaften
Darstellungen, derer
es für meinen Geschmack
gar nicht genug geben kann. Die Antike war eine Hochzeit der Kunst, die
von Skulpturen und Reliefen über Mosaike bis hin zu den berühmten
Vasenmalereien führte. Wie überall sind auch hier die Götter
anzutreffen.
Betrachte Darstellungen und Abbildungen in Büchern oder genehmige dir auch einmal einen Besuch im kunsthistorischen Museum und schau dir die Sachen in natura an. Wie wurden Gottheiten dargestellt? Gibt es besondere Attribute? Vielleicht kannst du lernen, die eine oder andere Gottheit anhand ihrer Darstellung zu erkennen. |
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| Recherche | ||
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Eine
Vielzahl von Quellen der Primär- und
Sekundärliteratur (3) geben Auskunft über die alte griechische
Religion im Allgemeinen oder auch über einzelne Bereiche wie z.B.
Mysterienkulte oder ähnliches. Ich persönlich suche auch gerne
im Internet nach hilfreichen Informationen. Allerdings gilt es natürlich
besonders beim Internet vorsichtig zu sein und nicht gleich alles zu glauben,
was
da so am Bildschirm landet.
Abseits der Mythen findet man mittels ausgedehnter Recherche so einiges über Götter heraus. Dies beginnt bei verschiedenen Aspekten und entsprechenden Beinamen. Ich empfand es auch als sehr interessant, heraus zu finden, wo die Götter wie verehrt wurden, welche speziellen Festivitäten es so im Jahreslauf gegeben hat. Besonders die großen und mehrtägigen Feste dürften für uns "Heutige" noch Zukunftsmusik sein, aber der eine oder andere Anlass lädt direkt dazu ein, begangen zu werden, mehr dazu aber an anderer Stelle. |
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| Kontakt aufnehmen | ||
Nun hast du schon einen großen
Haufen an Informationen über die Gottheit zusammen getragen, vielleicht
sogar je nach Ordnungswut notiert, abgeheftet etc. Du hast das Gefühl,
schon einiges zu wissen und jetzt leichter der jeweiligen Gottheit begegnen
zu können? Nun, dann ist es wohl höchste Zeit, hier erste Schritte
zu tun.
Wenn du bereits hellenistische Riten verrichtest, so widme doch diesmal eines deiner „aktuellen“ Gottheit. Rezitiere eine Hymne, bringe eine Opfergabe dar. Teile dich dem jeweiligen Gott oder der Göttin mit. Zeige dein Interesse offen. Vielleicht bemerkst du schon eine Reaktion, vielleicht dauert es auch länger. Erinnere dich auch im Alltag immer wieder an die Gottheit. Welche Aspekte deines Umfeldes und täglichen Lebens hängen mit ihr zusammen? Vielleicht entwickelst du auch im Alltag Rituale, mit denen du Kontakt zu der Gottheit aufnehmen kannst und dich immer wieder ihrer erinnerst. Versuche aber nichts zu erzwingen oder dich zu etwas gezwungen zu fühlen. Erinnere dich stets daran, dass die schönste Beziehung zu den Göttern eine freundschaftliche ist und versuche sie daher auch wie gute Freunde zu behandeln. |
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| Raum für Kreativität | ||
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Vielleicht
gehörst du zu den Menschen, die
ihrer Kreativität gerne freien Lauf lassen. Wenn ja, dann sperre diese
Ader nicht aus deiner Göttererfahrung aus. Schenke ihnen ruhig etwas
Persönliches und lass dich nicht ausschließlich an alte Riten
fesseln.
Wenn du gerne schreibst, dann verfasse doch eine „moderne Sage“ mit der Gottheit als handelnde Figur oder schreibe ihr einen Lobgesang (es müssen ja nicht immer nur die übersetzten Hymnen eines Homer o.a. sein). Oder vielleicht bist du beim bildnerischen Gestalten besonders begabt und zeichnest oder malst deine eigene Götterdarstellung. Verziere eine Kerze mit passendem Motiv für die Gottheit, töpfere ein Räuchergefäß oder eine Öllampe, forme eine Skulptur, fertige ein Mosaik oder was auch immer dir einfällt. Versuche das einzubeziehen, was du bisher über die Gottheit erfahren hast und wie sie sich dir darstellt. Die eine oder andere Gottheit freut sich bestimmt auch über einen sportlichen oder anderen Erfolg, den du ihr widmest. Deiner Phantasie sollen dabei keinen Grenzen gesetzt sein. Lass dich einfach inspirieren. Dir liegen solche Basteleien nicht? Du kannst auch einfach Gegenstände sammeln, die für dich die jeweilige Gottheit symbolisieren (z.B. eine Pfauenfeder für Hera, eine besondere Münze für Hermes etc.), so brauchst du den oder die Gegenstände dann oft nur betrachten und schon erinnerst du dich der Gottheit oder was du über sie weißt. Vielleicht eignen sich die Gegenstände ja auch für Meditationen. |
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| Tausche dich mit anderen aus | ||
Irgendwann kommt man alleine an einen Punkt an
dem sich nichts oder kaum mehr etwas bewegt. Das muss aber nicht sein,
immerhin sitzt du nicht alleine auf einer einsamen Insel. Es gibt noch
andere Hellenisten auf der Welt und es kann sehr wertvoll sein, wenn man
sich mit anderen austauscht. Vielleicht kennt jemand anderer weitere Quellen
oder Texte, die dir einfach nicht bekannt sind. Oder jemand kann Altgriechisch
und tut sich daher ein wenig leichter mit den Originaltexten. Vielleicht
hat aber jemand anderer auch nur seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht
und ist bereit sie mit dir zu teilen.
Nachdem wir Hellenisten ziemlich weit verstreut sind, erreicht man wohl über das Internet die Meisten. Mit den Mitgliedern des Thiasos Austriakos kannst du im Forum oder über die Yahoo-Group Kontakt aufnehmen. Ansonsten gibt es eine relativ große Zahl englischsprachiger Homepages und Mailinglisten. Sieh dich einfach um und sprich Themen an, die dich besonders beschäftigen. Aber wundere dich nicht, wenn du unterschiedliche Antworten erhältst. Der Hellenismos gehört immerhin nicht zu den weitaus statischeren Buchreligionen, welche sich bemüßigt fühlen auf alles eine einzige wahre Antwort zu bieten. Die Theologie bietet ein Grundgerüst, welches die Anhänger zusammenhält, lässt aber gleichfalls Raum offen, den jeder Einzelne selbst füllen kann. |
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(1) Literaturvorschläge: Karl Kerenyi „Die
Mythologie der Griechen“, Michael Köhlmeier „Sagen des
klassischen Altertums“ (in leichtem Erzählstil) |
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