Allgemeine Tipps zur Gestaltung des
hellenistischen Familienlebens
| Die
Entscheidung dazu, die eigenen Kinder bewußt im hellenistischen Umfeld
eines entsprechenden gemeinsamen Familienlebens aufwachsen zu lassen
ist nicht selbstverständlich. Da wohl kaum einem von uns der hellenistische
Glauben in die Wiege gelegt wurde, können wir schwerlich auf jahrelange
Erfahrungen in Fragen des entsprechenden Familienlebens zurück greifen. |
Was
ist mir wichtig? |
Es
mag eigenartig klingen, aber um Kinder in den eigenen Glauben einbinden
zu können, muss ich mir erst einmal sicher sein, was genau diesen
Glauben überhaupt ausmacht. Insbesondere in einer Religion wie dem
Hellenismos, den wir nicht durch Tradition sondern in erster Linie durch
selbstständiges Erarbeiten erworben haben, kann es sinnvoll
sein, sich vorab einige konkrete Fragen zu stellen: |
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Was
sind meines Erachtens die grundsätzlichen Glaubensinhalte des
Hellenismos? Warum ist es meine Religion bzw. was unterscheidet den Hellenismos von anderen Religionen, die ich kennen gelernt oder in Erwägung gezogen habe? Welchen Raum nimmt die Glaubensausübung in meinem Leben und Denken ein? Wie sehe und erlebe ich die Götter? In welcher Beziehung stehe ich zu anderen Hellenisten (keine, lockere oder enge Kontakte mit gemeinsamer Kultausübung)? Wie offen gehe ich mit meinem Glauben um und wie steht mein nichthellenistisches Umfeld dazu? |
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Vielleicht fallen euch ja noch weitere Fragen ein, die euch helfen euren eigenen Standpunkt und Umgang mit dem Hellenismos zu klären. Auf Basis der Antworten, die wir uns zu solchen Fragen geben, finden wir am besten die ersten Ansätze in welche Richtung der gemeinsame hellenistische Familienalltag und die religiöse Erziehung unserer Kinder gehen soll. |
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Eine
wesentliche Vorraussetzung für ein funktionierendes hellenistisches
(bzw. allgemein jedes religiöse) Familienleben, in welchem auch
die Kinder ein gewisses Maß an religiöser Erziehung genießen,
ist die Tatsache, dass im gemeinsamen Leben tatsächlich auch Raum
und Bewusstsein für die Ausübung von Religion da ist. Auch
wenn der Hellenismos ein Glauben ist, dessen Aneignung häufig
durch das Wälzen von Literatur und wissenschaftliche Erarbeiten
der Quellenlage geprägt ist, so darf man seine aktive Ausübung,
die Verehrung der Götter im Kult sowie die großen und kleinen
religiös
motivierten Rituale und Tätigkeiten des Alltags nicht aus den
Augen verlieren. Wer in der Theorie, egal wie sehr er sich hinein vertieft,
stecken bleibt, der kann sich meines Erachtens nicht als Gläubiger
bezeichnen, sondern maximal als ein an der antiken Religion wissenschaftlich
interessierter Laie. Auch wird sich dann niemals eine ernstzunehmende
religiöse Erziehung aus dieser Tätigkeit ableiten lassen,
sondern höchstens die Weitergabe von historischem Wissen. Tief empfundener Glauben verlangt nach seiner ernsthaften und aktiven Auslebung. Auch wenn oder gerade weil der Hellenismos in heutiger Zeit sozusagen in seinen Kinderschuhen steckt, sollten wir nicht davor zurück schrecken an einer lebendigen Beziehung zu den Göttern zu arbeiten. Dies erfordert durchaus Mut, insbesondere in jenen Fällen, in denen Quellenrecherche keine oder widersprüchliche Ergebnisse zu einzelnen Fragen bringt. Es liegt hier an der Gemeinschaft bzw. den einzelnen Familien sich von der Quellenlage zu lösen und selbst Entscheidungen für die Kultausübung zu treffen, auch auf die Gefahr hin, dass wir in einem halben, zwei oder dreißig Jahren heraus finden, dass es auf andere Weise sinnvoller ist und der Kult daher entsprechend angepasst werden muss. Es nützt weder uns noch kommenden Generationen, wenn wir die Theorie der Religion erst einmal komplett abzutasten trachten, bevor wir uns an ihre Umsetzung wagen, da dies allein wahrscheinlich mehrere Lebzeiten benötigt und womöglich niemals abgeschlossen werden kann. Ich will damit nicht sagen, dass wir alle Theorie und das Wissen um und aus der Antike einfach über Bord werfen sollen, aber ich möchte allen Gläubigen davon abraten sich nur ans Schwafeln und Theoretisieren zu klammern. Sowohl zum allgemeinen Wachstum der hellenistischen Gemeinschaft als auch zum aktiven Gestalten eines hellenistischen Alltags in den einzelnen Familien, ist es notwendig, dass jeder Einzelne Mut zur Praxis aufbringt. |
Der Hellenismos ist keine Religion, die auf festgeschriebenen Geboten beruht. Es gibt keine eindeutigen Vorschriften, wie sich ein Mensch seinen Mitmenschen oder den Göttern gegenüber verhalten soll, sondern vielmehr ergeben sich Werte überwiegend aus den sozialen Strukturen innerhalb der Familie, dem Umgang mit Freunden und nicht zuletzt Fremden gegenüber. Der Hellenismos ist für uns nämlich genau das, eine Religion der Gemeinschaft, nicht nur der Menschen untereinander, sondern auch mit den Göttern. Daher leiten wir als Familie auch Werte aus dieser Haltung ab, welche wir an unsere Kinder weiter zu geben versuchen. Dazu gehört zum Beispiel, dass unsere Kinder, wie alle Menschen, ihren Platz im Kosmos finden und einnehmen müssen, wobei wir sie nach Kräften unterstützen. "Erkenne dich selbst!", heißt es zum Beispiel auch bei den Delphischen Maximen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist Xenia, häufig einfach als "Gastfreundschaft" übersetzt, sehen wir sie auch als eine Haltung, welche der Xenophobie (=Fremdenangst) und der Fremdenfeindlichkeit entgegensteht. Xenia bedeutet nicht nur Gäste so zuvorkommend wie möglich zu behalten, sondern in erster Linie im "Fremden" den Freund zu vermuten und nicht zuerst den Feind anzunehmen. Dazu gehört natürlich auch zu lernen, wie man selbst sich als Fremder bzw. Gast dem Gastgeber gegenüber verhält. Hier kommt der Respekt zum Tragen, der auch im Umgang mit den Göttern von großer Bedeutung ist. Ein wichtiger Leitsatz, nicht nur im sozialen Verhalten ist auch "meden agan" (= "Nichts zu viel" bzw. "Alles in Maßen"). Bereits Kinder lernen durch Erprobung und Ermahnungen das rechte Maß zu finden, in dem was sie tun. |